Blogbeitrag – Workshop: Messung von Nachhaltigkeit

Blogbeitrag – Workshop: Messung von Nachhaltigkeit

Autorin: Stéphanie Lichtsteiner, Co-Geschäftsleiterin Faire Märkte Schweiz

Welche Tools gibt es zur Messung und Bewertung der Nachhaltigkeit im Schweizer Agrar- und Ernährungssystem? Worin unterscheiden sich die verschiedenen Ansätze, und auf welchen Datengrundlagen basieren sie? Diese und viele weitere Fragen wurden beim von Agridea initiierten Erfahrungsaustausch «Messung von Nachhaltigkeit im landwirtschaftlichen Produktions- und Ernährungssystem der Schweiz» diskutiert. Ziel der Veranstaltung war es, Synergien und Lücken zu identifizieren und Potenziale für eine Weiterentwicklung dieser Instrumente auszuloten.

Allen Tools gemein ist, dass sie die Bereitstellung von Gemeinschaftsgütern messen – also Leistungen, die über den Markt nicht direkt finanziell abgegolten werden. Um diesen einen Wert zuzuweisen, braucht es geeignete Messgrössen, die der Multifunktionalität der Landwirtschaft gerecht werden. Eine zentrale Herausforderung für viele Bewertungsansätze ist dabei der Balanceakt zwischen Komplexität, Flexibilität und Effizienz der Erfassung auf den Betrieben.

Trotz dieser Gemeinsamkeit unterscheiden sich die vorhandenen Werkzeuge teils erheblich. Einige konzentrieren sich auf die betriebliche Leistung, andere messen die erzielte Wirkung. Während manche forschungsbasiert sind und keine nutzerfreundliche Oberfläche bieten, um eigenständig Daten zu erfassen, sind andere praxisorientiert und einfach in der Handhabung. Die Zielgruppen variieren ebenfalls: Während einige Tools direkt an landwirtschaftliche Betriebe oder Akteure im Ernährungssektor gerichtet sind, dienen andere der Verwaltung, Politik oder Stiftungen als Entscheidungsgrundlage.

Ein Grossteil der vorhandenen Ansätze bewertet vor allem die erste Stufe der Lebensmittel-Wertschöpfungskette – den landwirtschaftlichen Betrieb. Zudem erfassen nicht alle Methoden alle drei Säulen der Nachhaltigkeit gleichermassen (Ökologie, Ökonomie und Soziales). Faire Märkte Schweiz hat mit dem Fairness Self-Check ein Tool erstellt, dass eine Lücke vieler Bewertungsansätze schliesst. Der Fragebogen misst und bewertet die Fairness in Handelsbeziehungen von Betrieben entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Ein Ziel ist es, diese Aspekte in bestehende Bewertungsinstrumente zu integrieren, da Fairness und Transparenz bislang oft unberücksichtigt bleiben. In diesem Bereich ist Faire Märkte Schweiz bereits mit verschiedenen Unternehmen und Organisationen im Austausch.

Zum Abschluss des Workshops wurde festgehalten, dass es nun entscheidend ist, ein gemeinsames Verständnis der verschiedenen Tools zu schaffen und für mehr Transparenz zu sorgen. Dies ist vor allem im Hinblick auf die aktuelle Weiterentwicklung der agrarpolitischen Rahmenbedingungen von grosser Relevanz und Dringlichkeit.

Mehr Informationen zum FMS-Self-Check gibt’s unter diesem Link

Folgen:

Weitere Beiträge

Handeln und Zukunft gestalten, 99-Rappen-Pfünderli und lokal+fair-Auszeichnung: Monatsbericht November 2025

Die Chefredaktorin der Bauernzeitung Simone Barth geht in ihrer tiefgründigen Analyse unter dem Titel “Wie Discounterpreise die Landwirtschaft aushöhlen” auf unsere Eingabe bei den Wettbewerbsbehörden (Weko) ein. Sie stärkt damit die Diskussion zur Fairness und zu den Werten unserer Lebensmittel. Sie ruft Bäuerinnen und Bauern auf, nicht zu schweigen und schliesst ihren Beitrag mit dem Satz: “Aber wenn sie reden, verhandeln sie mit. Und wenn sie handeln – dann gestalten sie Zukunft. Eine, in der Brot wieder Wert hat.” Faire Märkte Schweiz handelt! Wir informieren darüber im Fokus-Beitrag.