Monatsbericht Juli / August

Monatsbericht Juli / August

Mit einer besonderen Freude informiert Faire Märkte Schweiz über die personelle Verstärkung im FMS-Team. Aufgrund des erfolgreichen Starts von FMS im ersten Vereinsjahr und aufgrund des zunehmenden Handlungsbedarfs in den Märkten war dieser Schritt dringend notwendig. Auf der operativen Ebene stösst Stéphanie Lichtsteiner als Co-Geschäftsführerin und Projektleiterin neu zum Team. Im Vorstand ist dies Christoph Pfenninger. Wir stellen diese beiden Personen im Fokusthema vor.

Zusätzlich informieren wir über die neue Anlaufstelle in der Westschweiz, die geplanten Aktivitäten anlässlich des nationalen Direktvermarktungstages lokal+fair und den kommenden “heissen” politischen Herbst, wo diverse Transparenz- und Fairnessgeschäfte im Bundeshaus debattiert werden. Ganz am Schluss stellen wir jeweils einen lokal+fair-Betrieb vor.


Im Fokus

Der Vorstand von Faire Märkte Schweiz leitet die strategischen Geschicke unserer Organisation, unterstützt vom Beirat und zahlreichen Partnern. Wir freuen uns sehr, den Vorstand verbreitern zu können: An der Mitgliederversammlung 2024 vom 4. Juli einstimmig in den Vorstand gewählt wurde Christoph Pfenninger. Christoph unterstützt Faire Märkte Schweiz mit seiner Erfahrung in diversen Bereichen des Fachhandels, der Bio-Lebensmittelbranche und dem -vertrieb.

Unterstützung bekommt auch die Geschäftsführung: Per 15. August ist Stéphanie Lichtsteiner als Co-Geschäftsführerin und Projektleiterin eingestiegen. Stéphanie wird unter anderem den Kompetenzbereich Transparenz entlang von Wertschöpfungsketten führen, Projekte zur Förderung fairer Handelspraktiken in der Schweiz mitentwickeln und die Schaffung von Allianzen und Netzwerken stärken. Stéphanie stellt sich im Folgenden kurz vor:

«Ich freue mich sehr auf die neue Herausforderung bei Faire Märkte Schweiz – die Vision für ein faireres und somit nachhaltigeres Ernährungssystem in der Schweiz entspricht genau meinen Überzeugungen, und die bisherigen Erfolge von FMS beeindrucken mich sehr. Die letzten acht Jahre war ich beim Online-Lebensmittelhändler Farmy im Einkauf- und Produktmanagement tätig und war zuletzt als Leiterin Einkauf für das Team an den beiden Standorten Zürich und Lausanne verantwortlich. Durch den täglichen Austausch mit Lieferantinnen und Lieferanten habe ich viel über die unfairen Handelspraktiken in den Lebensmittelmärkten sowie die Preisbildung im Labelbereich erfahren und die Notwendigkeit für Organisationen wie FMS gespürt. Meinen Horizont und mein Wissen im Bereich Agrarmärkte und Konsumentenschutzthemen erweitert haben auch meine vorherigen Tätigkeiten beim Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL sowie bei der Stiftung für Konsumentenschutz.» (Stéphanie Lichtsteiner, Co-Geschäftsführung und Projektleitung FMS seit 15.8.)

Kurzmeldungen

Neue FMS-Anlaufstelle in der Westschweiz mit Floriane Gilliand

Faire Märkte Schweiz ist schweizweit tätig und legt besonderen Wert darauf, auch in der Westschweiz präsent zu sein. Aufgrund der sprachlichen und kulturellen Unterschiede ist es entscheidend, in dieser Region eine eigene Anlaufstelle zu haben, um den spezifischen Bedürfnissen gerecht zu werden. Laut einer Umfrage von Demoscope findet das Thema Fairness in der Westschweiz besonders offene Ohren. Auch die landwirtschaftliche Praxis verhält sich gegenüber Marktmacht und Missbrauch von Marktmacht vielfach kritischer als in der Deutschschweiz. Zudem können damit die regionalen Unterschiede im Projekt lokal+fair gezielter gestärkt werden. Als zentrale Ansprechperson für die Westschweiz steht Floriane Gilliand, Beirätin FMS, zur Verfügung, die vorher an der Uni Lausanne zu Transparenzthemen geforscht hat: floriane.gilliand@etik.com.

Der nationale Direktvermarktungstag lokal+fair vom 14.9.24 steht vor der Tür!

Am 14. September ist es soweit: Der nationale Direktvermarktungstag lokal+fair steht vor der Tür! Entdecken Sie die Vielfalt Ihrer Region bei spannenden Events: Besuchen Sie den Markt in Stäfa, mahlen Sie lokales Getreide, backen Sie Brot und erleben Sie bekannte Persönlichkeiten direkt vor Ort. Auf dem Demeterhof Breitlen erfährt man mehr über das Projekt ‚Assoziative Preisgestaltung’ und geniesst lokale Produkte. Weindegustationen erwarten die Besucherinnen und Besucher auf dem Weingut Bagnoud VS und bei Eveline Heusser in Uster. Ausserdem: Vegane Spezialitäten im Hello Vegan Uster, Gratis-Grillwurst bei der Metzgerei Hotz und ein exklusives Menu im Restaurant Zum Hut. Alle Erlebnisse unter: www.lokalundfair.ch.

Das Projekt lokal+fair hat zum Ziel, den Wandel hin zu fairer Entschädigung, lokaler Wertschöpfung, kurzen Transportwegen und Bewusstsein für die Wichtigkeit des lokalen, direkten und fairen Konsums zu fördern. 2024 partizipieren Pilotgemeinden sowie Partner und Pilotbetriebe aus verschiedenen Kantonen in der Schweiz an lokal+fair.

Herbstsession: Was ist fair? Was ist ein fairer Preis?

Der Staat hat diesbezüglich seine Verantwortung wahrzunehmen, weil die Märkte aufgrund der heutigen Marktstrukturen immer unfair sind. D.h. wenige marktmächtige Abnehmer treffen auf viele Produzenten und bilden eine Nachfragemacht. Deshalb setzt sich FMS mit intensivem Lobbying für folgende Vorstösse ein:

Herbstsession 2024 (9. – 27. September):

Motion Giacometti Anna und Motion Munz Marina. Förderung regionaler Schlachtkapazitäten zur Vermeidung langer Tiertransporte (Doppelmotion 21.4133 und 21.4134)

—> Leider empfiehlt die WAK-S den Ständerät:innen (entgegen Abstimmung im Nationalrat) diese Motionen zur Ablehnung. Das spricht gegen Transparenz und Fairness und auch gegen das Tierwohl. Heute wird die grosse Mehrheit der Schlachttiere über weite Strecken in die industriellen Schlachthöfe der Grossverteiler im Mittelland transportiert. Dort können die Produzenten nicht auf Augenhöhe mitbestimmen und werden die Tiere über lange Transportwege höchsten Stressbelastungen ausgesetzt.

Mo. Schneider Meret. Stärkung der Direktvermarktung (22.4552)

—> Eine Alternative zum Verkauf über den Grosshandel sind Absatzkonzepte mit kurzen Transportwegen. Deshalb ist diese Direktvermarktungs-Motion, die unserem Projekt lokal+fair entspricht, im Gegensatz zur Empfehlung der WAK-S zu unterstützen.

Weitere Vorstösse zur Verbesserung von Transparenz und Fairness werden in der ständerätliche Wirtschaftskommission debattiert (WAK vom 27.08.2024): FMS unterstützt die Parlamentarische Initiative Pasquier-Eichenberger “Für eine wirksame Preisbeobachtung in der Lebensmittelkette” (22.477) und die Motion von Munz Martina “Mit Marktbeobachtung mehr Transparenz in Agrarmärkten” (21.3730).

15. Mai 2025, nächste Mitgliederversammlung: Werden Sie Mitglied bei Faire Märkte Schweiz und seien Sie mit dabei

In schönster Kulisse auf dem Juckerhof hielt der FMS seine Mitgliederversammlung 2024 ab – und feierte gleichzeitig den ersten Geburtstag des Vereins, blickte auf 12 Monate Engagement zurück und wagte gemeinsam Ausblicke. Den Anlass verpasst? Werden Sie noch heute Mitglied oder Gönner bei Faire Märkte Schweiz und seien Sie an der MV 2025 mit dabei: https://fairemaerkteschweiz.ch/unterstutzen/#mitglied. Das Datum steht bereits fest: Am 15. Mai 2025 um 16.30. Gerne eintragen und reservieren!

lokal+fair-Betrieb im Schaufenster: Mosterei Hürlimann

Beat und Katrin Hürlimann verwandeln in Freudwil regionale Früchte und Kräuter in einzigartige Saftkreationen – alles naturtrüb und frei von Zusatzstoffen. Ihre Mosterei steht für Qualität, Regionalität und Nachhaltigkeit. Sie setzen auf Rohstoffe aus der Region und bewirtschaften 14 Hektaren Land nach regenerativen, biologischen Prinzipien. Mit Liebe zum Detail und Respekt vor der Natur schaffen sie erfrischende Getränke, die mehr sind als nur Süssmost: Sie sind ein Ausdruck von Fairness und ein Genuss, der lokale Tradition und zukunftsträchtige Nachhaltigkeit vereint. Die Mosterei Hürlimann ist Teil von lokal+fair – mehr hier.

lokal+fair-Betrieb: die Mosterei Hürlimann. Bild: Mosterei Hürlimann.

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Weitere Beiträge

Projekt-Kickoff, Agrar-Inputpreise & lokal+fair in Graubünden: FMS-Monatsbericht März 2025

Der FMS ist kürzlich darauf angesprochen worden, ob sich die Organisation mit ihren Aktivitäten vorwiegend auf die Preisdiskussion konzentriere. Die Preisdiskussion liegt tatsächlich Vielem zugrunde, was angegangen werden muss. Die übergeordnete Vision dagegen geht viel weiter: Wir wollen fairere und gerechtere Märkte schaffen und damit die Transformation hin zu nachhaltigeren Märkten ermöglichen. Dies bringen wir zum Beispiel mit dem Self-Check zum Ausdruck, mit dem Betriebe in der Agrar- und Lebensmittelbranche ihre Situation bezüglich Fairness mit Hilfe der Indikatoren Wettbewerb, Wertschöpfung, Transparenz, Liefervereinbarung, Bezahlung, Beschwerde beurteilen können. Und über den Preis müssen wir dabei natürlich auch reden.

Preiskampf im Fleischmarkt

Am 21. Februar 2025 war Stefanie Lichtsteiner, Geschäftsführerin von Faire Märkte Schweiz, zu Gast in der italienischsprachigen Sendung «Patti chiari» der RSI. In der Sendung wurde der Fleischmarkt unter die Lupe genommen. Neben der Frage nach der Preis- und Qualitätsunterschiede von Entrecôtes aus der Schweiz und dem Ausland, standen die Auswirkungen des aktuellen Preiskriegs auf die Landwirtschaft und die Konsumenten im Fokus.

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Notrufnummer für Gastro-Betriebe lanciert

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