FMS unterwegs: Stakeholder-Workshop Recht auf Nahrung

FMS unterwegs: Stakeholder-Workshop Recht auf Nahrung

Wie können alle Menschen in der Schweiz selbstbestimmt und in Würde Zugang zu gesunder und nachhaltig produzierter Nahrung erhalten? Und wie lässt sich dies mit fairen Einkommen entlang der Wertschöpfungskette verbinden? Diese Fragen standen im Zentrum des Stakeholder Workshops “Ein Recht auf Nahrung?” von FIAN Schweiz und One Planet Lab am 14. Oktober 2026 in Zürich. Faire Märkte Schweiz nahm am Austausch teil. Ziel war es, Erfahrungen zur Umsetzung des Rechts auf Nahrung und zum Aufbau von Ernährungskassen zusammenzutragen und deren Potenzial zu diskutieren. 

Das Recht auf Nahrung geht über den Schutz vor Hunger hinaus: Es umfasst den Zugang zu ausreichender, gesunder, kulturell passender und selbst gewählter Nahrung. Zugleich müssen Menschen, die Lebensmittel produzieren, verarbeiten und verteilen, in Würde von ihrer Arbeit leben können. Natürliche Ressourcen sind so zu bewahren, dass sich auch künftige Generationen ernähren können. Der Ansatz verbindet soziale Gerechtigkeit, Gesundheit und Nachhaltigkeit.

Die Schweiz ist dem UNO-Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte, der das Recht auf Nahrung anerkennt, 1992 beigetreten. In der Bundesverfassung fehlt jedoch eine ausdrückliche Garantie des umfassenden Rechts auf angemessene Nahrung. Genf verankerte dieses 2023 in seiner Kantonsverfassung – mit 67,6 Prozent Ja-Stimmen.

Vorausgegangen war eine zivilgesellschaftliche Mobilisierung: Während der Covid-Pandemie 2020 warteten in Genf Tausende Menschen stundenlang auf Lebensmittel. Die Warteschlangen machten eine zuvor wenig wahrgenommene Ernährungsarmut sichtbar. Organisationen und engagierte Menschen unterstützten daraufhin ein Manifest für das Recht auf Nahrung. Aus dieser Bewegung ging auch die Genfer Ernährungskasse Caisse genevoise de l’alimentation, kurz CALIM, hervor.

Ein menschenrechtlicher Ansatz verändert die Perspektive auf Lebensmittelhilfe: Betroffene haben häufig wenig Wahlfreiheit; Unsicherheit und Scham erschweren den Zugang. Das Recht auf Nahrung macht eine angemessene Ernährung zur öffentlichen Aufgabe. Im Zentrum stehen verlässlicher Zugang, Selbstbestimmung und faire Produktionsbedingungen.

CALIM erprobt einen konkreten Ansatz. Das Pilotprojekt läuft von Ende 2025 bis Ende 2026 mit Platz für bis zu 400 Mitglieder. Diese zahlen nach ihren finanziellen Möglichkeiten monatlich mindestens 20 Franken ein. Alle erhalten ein Guthaben von 150 Franken in der virtuellen Währung “Radieschen” für Einkäufe an ausgewählten Verkaufsstellen. Ein Bürgerkomitee legte diese aufgrund gemeinsam erarbeiteten Auswahlkriterien fest. Im Fokus stehen saisonale Produkte, kurze Lieferketten und Agrarökologie. Mitglieder können in Arbeitsgruppen, im Bürgerkomitee und in lokalen Quartiergruppen mitwirken um die Ernährungsdemokratie zu stärken.

Für Faire Märkte Schweiz ist besonders relevant, dass ein besserer Zugang zu nachhaltiger Ernährung mit fairen Handelsbeziehungen zusammen gedacht wird. Bezahlbare Lebensmittel und angemessene Einkommen für die Menschen entlang der Wertschöpfungskette sind gemeinsame Voraussetzungen eines gerechten Ernährungssystems. Der Workshop bot Gelegenheit, diese Zusammenhänge aus unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten. Ernährungskassen wie CALIM zeigen, wie Solidarität, Mitbestimmung und die Stärkung lokaler Wertschöpfung praktisch verbunden werden können. 

Im Workshop wurden mögliche nächste Schritte für den Kanton Zürich besprochen. Dazu gehören die Verankerung des Rechts auf Nahrung in der Kantonsverfassung und der Aufbau einer Zürcher Ernährungskasse. Erste Aktivitäten in diese Richtungen laufen bereits. Als gemeinsame Basis soll ein Netzwerk interessierter und relevanter Partnerbetriebe und -organisationen aufgebaut werden, das Erfahrungen bündelt, die Zusammenarbeit stärkt und die weitere Entwicklung dieser Ansätze voranbringt.

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