AP30+, FMS-Studie und Abstimmen für lokal+fair: FMS Monatsbericht September

AP30+, FMS-Studie und Abstimmen für lokal+fair: FMS Monatsbericht September

Der Bundesrat hat am 2. September die Agrarpolitik AP30+ in die Vernehmlassung geschickt. Persönlich ist dies bereits das siebte Agrarpaket, mit dem ich mich intensiv beschäftige. Besonders stolz bin ich darauf, dass mit diesem Paket die Transparenz und Fairness in den Agrar- und Lebensmittelmärkten gezielt gefördert werden sollen. Seit der Gründung unseres Vereins haben wir immer wieder hartnäckig auf den grossen Handlungsbedarf hingewiesen und entsprechende Forderungen gestellt. Auch die gesamte Wertschöpfungskette rückt mit der AP30+ stärker in den Fokus – ebenfalls ein zentrales Anliegen von FMS.

Eine Antwort auf die Frage «Was ist ein fairer Preis?» liefert FMS mit einer neuen Studie, die wir bei der Fachhochschule Nordwestschweiz in Auftrag gegeben haben. Im Getreide-, Brot- und Backwarenmarkt scheinen auch in der Politik Lösungen noch weit entfernt, um die Lücken im Grenzschutz zu schliessen. Wir zeigen, welchen alternativen Weg FMS vorschlägt. Ausserdem informieren wie Sie heute über den nationalen lokal+fair-Tag 2026. Die Übersicht mit allen Anlässen finden Sie hier

Ihre Stimme zählt! Damit unser Engagement für lokal+fair weiter vorangehen kann, sind wir auf externe Ressourcen angewiesen. Dafür brauchen wir dringend Ihre Stimme: Im Beitrag unten erfahren Sie, wie Sie unser klimafreundliches und nachhaltiges Projekt unterstützen können.


Im Fokus

Faire Preise in der Landwirtschaft in der Schweiz: fehlende Risikoperspektive verstärkt Einkommensschwankungen 

Eine neue Studie der FHNW im Auftrag von Faire Märkte Schweiz (mehr auch im Tagesanzeiger oder im Schweizer Bauer) auf Basis von Vollkostendaten von Agroscope zeigt: Faire Preise müssen die Produktionskosten decken, ein angemessenes Einkommen ermöglichen und Produktionsrisiken abgelten. Die Ergebnisse für die Jahre 2016 bis 2023 zeigen, dass die Produzentenpreise in mehreren wichtigen Betriebszweigen nicht für ein angemessenes Einkommen ausreichen. Besonders gross ist die Differenz in der Milchproduktion, der Mutterkuhhaltung und der Rindermast. So hätten die Preise für Milch um mindestens 77 Prozent und für die Mutterkuhhaltung um 101 Prozent höher liegen müssen.

Raps, Körnermais, Zuckerrüben, Pouletmast und Eier schneiden zwar besser ab. Ein Wechsel ist jedoch oft unmöglich: Standort, Topografie, Flächen, Stallungen und Betriebsstrukturen setzen enge Grenzen. In Bergregionen sind Milch- und Mutterkuhhaltung oft die realistischen Nutzungsformen. Im Talgebiet lassen sich Raps und Zuckerrüben wegen der Fruchtfolge nicht beliebig ausdehnen. Die Rentabilität eines Betriebszweigs sagt zudem wenig über das Einkommen des Gesamtbetriebs aus.

Da Vollkostenrechnungen die vielfältigen Produktionsrisiken weitgehend ausklammern, müssen Risikoprämien künftig in die Berechnung fairer Preise einfliessen. Angesichts zunehmender Trockenperioden und Starkniederschläge gewinnt dies weiter an Bedeutung. So würde beim Weizen eine Risikoprämie von zehn Prozent den durchschnittlichen vollkostendeckenden Produzentenpreis von 54 auf rund 60 Franken pro Dezitonne erhöhen.


Kurzmeldungen

Jetzt für lokal+fair abstimmen!

lokal+fair hat es in die Vorauswahl des Clima Now Spotlights 2026 und auf die «Wall of Fame» geschafft. Gesucht werden Projekte, die unser Ernährungssystem klimaresilienter machen. lokal+fair möchte mit der Stärkung regionaler Wertschöpfungsketten einen Unterschied machen. Bis zum 21. September entscheidet das Public Voting, welche sieben Projekte an der Pitch Night in Zürich auftreten dürfen. Gebt lokal+fair eure Stimme – beim Projektbeschrieb einfach auf das kleine Herz klicken (und gerne weitersagen). Wir bedanken uns!

Vernehmlassung AP30+: Richtung stimmt, doch es braucht mehr!

Der Bundesrat hat die Vernehmlassung zur Agrarpolitik ab 2030 eröffnet. Aus Sicht von FMS gehen mehrere Massnahmen in die richtige Richtung. Zentral ist die Stärkung der Marktbeobachtung zur Verbesserung der Transparenz entlang der Wertschöpfungsketten sowie der Richtpreisbildung. Wenn die entsprechenden Massnahmen das Parlament passieren und danach konsequent umgesetzt werden, leisten sie einen wichtigen Beitrag zu einer fairen Preisbildung. Parallel dazu fordert FMS ein aktiveres Vorgehen der Wettbewerbsbehörden gegen den Missbrauch von Marktmacht.

Auch die wenigen Massnahmen zur Stärkung kurzer und regionaler Wertschöpfungsketten sind positiv zu werten. Hier wird das Parlament gefordert sein, noch nachzubessern. Ganz grundsätzlich ist jedoch zu bemängeln, dass für ein entschlossenes politisches Vorgehen in Richtung nachhaltiger Ernährungssysteme verbindliche Instrumente fehlen. Ein Beispiel dafür sind die geplanten freiwilligen Zielvereinbarungen mit dem Detailhandel, die deutlich zu wenig griffig ausgestaltet sind (siehe auch hier).

Getreidemarkt wegen Fertigprodukten in der Krise: FMS schlägt einen neuen pragmatischen Weg vor

Die Importe von Teiglingen und Backwaren haben sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt und liegen bei rund 300’000 Tonnen pro Jahr. Tiefe Zölle und fehlende Mengenbeschränkungen erhöhen den Druck auf Landwirtschaft, Mühlen und Bäckereien. Der Ständerat hat am ersten Tag der Herbstsession verschiedene Vorstösse zu diesem Thema debattiert. Besonders brisant ist, dass er die Motion von NR Katja Stettler-Riem (24.3127) mit 29 zu 12 (3 Enthaltungen) relativ deutlich angenommen hat. Damit verpflichtet er den Bundesrat, die Zollbegünstigung der Importe von Halb- und Fertigprodukten im Backwarenbereich aufzuheben. Da dies Neuverhandlungen des betreffenden Abkommens mit der EU bedeuten würde, wird hier noch viel Zeit vergehen und der Importdruck weiter zunehmen.

FMS schlägt parallel dazu einen pragmatischen Weg vor: Mit einem Gesuch nach dem Öffentlichkeitsgesetz (Medienmitteilung FMS) verlangt Faire Märkte Schweiz offenzulegen, welche Unternehmen in Detailhandel und Gastronomie hinter den Importen stehen und davon massiv profitieren. Die Akteure sollen damit veranlasst werden, freiwillig zur Schliessung von Schutzlücken beizutragen,  ihrer Verantwortung als führende Anbieterinnen nachzukommen und den Anteil von inländischen Getreideprodukten in ihrem Sortiment gezielt zu erhöhen.

Projektserie “So geht fair”: La Petite Épicerie – die lokale & innovative Speisekammer

Wie kann ein Dorfladen auch bei kleiner Nachfrage bestehen? La Petite Épicerie verbindet Nahversorgung mit digitaler Infrastruktur: Die rund um die Uhr zugänglichen Geschäfte werden von unabhängigen Geschäftsführenden betrieben und von über 400 regionalen Produzierenden und Gewerbebetrieben beliefert.

Fairness ist fest im Modell verankert. Die Produzierenden bestimmen ihre Preise selbst und bezahlen keine Listungsgebühren. Für jeden Verkauf erhalten sie eine Gutschrift und sehen Umsätze und Lagerbestände in Echtzeit. Auch die Geschäftsführenden kennen ihre Gebühren im Voraus und entscheiden innerhalb einer Charta über Sortiment und Organisation. Ein fairer Markt ist für La Petite Épicerie ein Markt, in dem keine Partei die Kosten dafür trägt, dass eine andere bestehen kann. 

So schafft La Petite Épicerie transparente Geschäftsbeziehungen und stärkt die regionale Wertschöpfung. Das Projekt zeigt, wie Automatisierung Kosten senken und damit Dorfläden, faire Einkommen und Begegnungsorte ermöglichen kann. 

Zum ganzen Beitrag der Projektserie “So geht fair. Wie Schweizer Unternehmen Fairness und Transparenz in die Praxis umsetzen”.

lokal+fair-Betrieb: Gemeinschaftsgastronomie-Betrieb denkt bei Einkaufsplanung lokal

Im Seniorama Oberhofen am Thunersee werden täglich frische und ausgewogene Mahlzeiten für die Bewohnenden zubereitet. Qualität und Regionalität haben dabei für die Küchenchefin Doris Dietrich einen hohen Stellenwert. Einen bedeutenden Teil der Lebensmittel – insbesondere Käse, Brot und Fleisch – bezieht das Seniorama von Betrieben aus der Gemeinde oder der näheren Umgebung. Damit stärkt es die lokale Wertschöpfung und trägt zu kurzen Transportwegen bei.

Mit dem Dienst “Menü Mobil” liefert das Seniorama jeden Mittag frisch zubereitete, ausgewogene Speisen an Seniorinnen und Senioren im Einzugsgebiet Oberhofen. So kommt das regionale Engagement nicht nur den Bewohnenden, sondern auch älteren Menschen zugute, die in ihrem eigenen Zuhause leben.

Seniorama Oberhofen

Küchenchefin Doris Dietrich und die Lernende Elina Kohler (3. Lehrjahr)


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Was ist ein fairer Preis für ein landwirtschaftliches Produkt? Einer, der nicht nur die Produktionskosten deckt und ein angemessenes Einkommen ermöglicht, sondern auch die Risiken der Produktion berücksichtigt. Genau dies geschieht heute häufig nicht: Marktmächtige Verarbeiter und Detailhändler wälzen die Risiken einseitig auf die Landwirtschaft ab. Eine neue Studie der FHNW im Auftrag von Faire Märkte Schweiz zeigt, dass Bauernfamilien deshalb in den meisten zentralen Betriebszweigen das gesetzlich vorgesehene angemessene Einkommen nicht erzielen. Viele Landwirtschaftspreise in der Schweiz sind demnach nicht fair.