Nachhaltige Milchproduzenten werden benachteiligt

Besorgniserregende Erkenntnisse: Für Milch aus nachhaltiger Produktion wird weniger bezahlt als für konventionelle

Bei der Analyse von Daten des Bundesamtes für Landwirtschaft stiess die Organisation Faire Märkte Schweiz (FMS) auf alarmierende Erkenntnisse bei den Preisen für nachhaltige Milch mit Umwelt- und Tierwohlmehrwerten. Der Produzentenpreis für IP-Suisse Wiesenmilch liegt unter dem Preis für konventionelle Milch, Produzenten werden für Ihre Mehrleistungen nicht entschädigt, sondern sogar abgestraft. FMS fordert von den Akteuren die Behebung dieses Missstandes. 

Die Untersuchung offenbart, dass Produzenten von IP-Suisse Wiesenmilch, die hohe Standards in Tierwohl, Umweltschutz und Biodiversität erfüllen, im Durchschnitt schlechter entlohnt werden als jene, die konventionelle Milch herstellen. Trotz nachweislicher Mehrwerte für Gesellschaft, Tier und Natur erhalten diese Produzenten für ihre Wiesenmilch im Durchschnitt 0.3 Rappen weniger als für konventionelle A-Milch. Im direkten Vergleich mit Bio-Milch steht sie um 13.8 Rappen pro Kilogramm schlechter da.

Das zeigt eine Analyse des Vereins Faire Märkte Schweiz (FMS). FMS hatte aufgrund von Hinweisen auf ihrer Meldestelle die Daten auf dem neu lancierten Datenportal des Bundesamtes für Landwirtschaft für die verschiedenen Milcharten (www.agrarmarktdaten.ch) analysiert. Dabei stiessen die Agrarexperten auf alarmierende Erkenntnisse beim Vergleich der Produzentenpreise von Bio-Milch und IPS-Wiesenmilch mit dem durchschnittlichen Preis für konventionelle A-Milch.

Unfaire Preise für fair produzierte Milch

Diese Diskrepanz im Produzentenpreis steht in krassem Widerspruch zu den Verkaufspreisen im Detailhandel, wo nachhaltige Produkte wie die IP-Suisse Wiesenmilch zu höheren Preisen angeboten werden. Dies deutet darauf hin, dass die Nachhaltigkeitsmehrwerte von den marktführenden Abnehmern und Grossverteilern nicht angemessen entschädigt, sondern vielmehr ausgenutzt werden, um ohne entsprechende Mehrkosten höhere Preise am Markt zu erzielen.

Faire Märkte Schweiz sieht in dieser Preisgestaltung eine bewusste Unterminierung der Bemühungen um Nachhaltigkeit und Fairness in der Landwirtschaft. Problematisch auch, dass damit bestätigt wird, dass die Milchproduzenten gegenüber den marktführenden und preisbestimmenden Abnehmern in einer schwächeren Verhandlungsposition sind und – obwohl die Mehrleistungen in Ökologie und Tierwohl in der Landwirtschaft erbracht werden – der grössere Teil der Wertschöpfung in Abfüllung und Handel liegen bleibt (Produzentenpreis Wiesenmilch zwischen 69 und 82 Rp./kg, aktueller Verkaufspreise bei Migros und Coop IP-Suisse UHT 1.60/kg).

Die Organisation appelliert daher an die Verantwortlichkeit der Abnehmer und Grossverteiler, eine angemessene und faire Preisgestaltung für nachhaltig produzierte Milch zu gewährleisten und die Produzenten für ihre zusätzlichen Aufwendungen und Bemühungen gerecht zu entlohnen.

Jetzt muss Bern reagieren

Darüber hinaus fordert FMS von den politischen Entscheidungsträgern, die Rahmenbedingungen im Agrarsektor so anzupassen, dass eine faire Abgeltung der Produzenten und eine transparente Preisgestaltung entlang der gesamten Wertschöpfungskette sichergestellt wird. Dies schliesst explizite Massnahmen zur Verbesserung der Verhandlungsposition der Bauern sowie Sofortmassnahmen zur transparenten Ausweisung der Produzentenpreise für nachhaltige Produkte im Vergleich zur konventionellen A-Milch ein.

Faire Märkte Schweiz fordert alle Beteiligten auf, sich für eine Korrektur dieser ungerechten Marktbedingungen einzusetzen und damit einen wertvollen Beitrag zur Förderung von Nachhaltigkeit und Fairness in der Schweizer Landwirtschaft zu leisten.

Bild: Traktor mit Milchkannen. Faire Märkte Schweiz, Bernard van Dierendonck. 

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