Faire Märkte Schweiz warnt: Markt­konzentration im Lebensmittelhandel in der Schweiz noch problematischer als in Deutschland

Der neue Bericht1 der deutschen Monopolkommission zur zunehmenden Marktkonzentration im Lebensmittelhandel legt schonungslos offen, wie stark wenige Handelsketten Preise, Produzenten und Konsumentinnen beeinflussen. Die Fairness- und Transparenzorganisation Faire Märkte Schweiz sieht in den dort aufgezeigten Entwicklungen eine direkte Parallele zur Schweiz – allerdings mit noch deutlich gravierenderen strukturellen Folgen.

Die deutsche Monopolkommission wurde im Zuge der Bauernproteste 2024 beauftragt, die Marktmachtverhältnisse im Detailhandel zu untersuchen. Eine vergleichbare unabhängige Instanz in dieser Form existiert in der Schweiz nicht, obwohl auch hier Proteste auf Missstände in den Wertschöpfungsketten hingewiesen haben. Faire Märkte Schweiz (FMS) nimmt diese Rolle seit längerem wahr und hat mehrfach Anzeigen und Prüfungsbegehren bei der Wettbewerbskommission (Weko) eingereicht – bisher aber bleiben konkrete Interventionen ausstehend.

Marktungleichgewichte in der Schweiz noch ausgeprägter

Der Bericht aus Deutschland hält fest, dass grosse Handelsketten ihre Position gegenüber Lebensmittelproduzenten systematisch ausgebaut haben. Die Landwirtschaft profitiere immer weniger von steigenden Preisen, während Handelsunternehmen und teilweise Hersteller ihre Machtposition ausweiten2.

Diese Einschätzung trifft gemäss FMS auf die Schweiz in besonderem Masse zu. In Deutschland bilden gemäss Sondergutachten vier Anbieter ein Oligopol im Lebensmittelhandel und teilen sich grosse Teile des Marktes. Hier dominieren zwei Grossverteiler, inklusive ihrer eigenen bedeutenden Industriebetriebe, rund 80 Prozent des Lebensmittelmarktes. Der Schweizer Markt ist ausserdem durch Agrarschutzmassnahmen stärker abgeschottet und kleinstrukturierter, was die Wirkung der Konzentration zusätzlich verstärkt.

Die Folge: Vom Endverkaufspreis kommt tendenziell weniger bei den Produzenten an, kleine Verarbeiter geraten unter erhöhten Druck, und für die Konsumentinnen und Konsumenten ist immer weniger transparent, wie der Preis zusammengesetzt ist. Die jüngste Diskussion um die «Tiefstpreise» beim 500-Gramm-Brot hat exemplarisch gezeigt, wie sich das strukturelle Marktversagen und missbräuchliche Verhalten auswirkt, was Vertrauen in eine faire und funktionsfähige Preisbildung untergräbt.

Schärfere Instrumente und bessere Strukturen nötig

Die Monopolkommission fordert in ihrem Bericht, den verbleibenden Wettbewerb konsequent zu schützen.  Faire Märkte Schweiz fordert ebenso Markttransparenz und eine faire Preisbildung.

Die Wettbewerbsbehörden benötigen gemäss FMS wirksamere Instrumente, um hochkonzentrierte Sektoren untersuchen zu können. Gleichzeitig müssen die fast 50’000 meist kleinen Schweizer Bäuerinnen und Bauern die Möglichkeit erhalten, sich wirksam zusammenzuschliessen, um gegenüber marktmächtigen Abnehmern eine echte Verhandlungsmacht aufzubauen. Faire Märkte Schweiz hat hierzu politische Vorschläge lanciert3.

Zentral ist zudem deutlich mehr Transparenz entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Nur so werden die bestehenden Marktungleichgewichte sichtbar. Nur so können Politik und Behörden überhaupt reagieren.

  1. Sondergutachten 84: Wettbewerb in der Lebensmittellieferkette – Monopolkommission  ↩︎
  2. Der ‘Schweizer Bauer’ analysiert dies aktuell: D: «Konzentration des Detailhandels besorgniserregend» – Der Schweizer Bauer  ↩︎
  3. vgl.  https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20243206 und https://www.parlament.ch/de/ratsbetrieb/suche-curia-vista/geschaeft?AffairId=20244590 ↩︎

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