Bundesrat verpasst Förderung kurzer Vertriebswege – eine Motion will ihn in die Pflicht nehmen
Im Aussprachepapier des Bundesrates zur Agrarpolitik 2030+ (AP30+) fehlen konkrete Massnahmen zur Förderung der Direktvermarktung und kurzer Vertriebswege. Für Faire Märkte Schweiz (FMS) ist diese Lücke zentral. Der Verein hat das Thema deshalb politisch aufgenommen. Eine entsprechende Motion ist nun im Parlament eingereicht.
Mit der Motion von Ständerätin Maya Graf (Grüne, BL)1, welche in der Frühlingssession breit abgestützt eingereicht wurde, wird der Bundesrat beauftragt, konkrete Massnahmen zur Stärkung alternativer Vermarktungssysteme auszuarbeiten. Die Motion fordert vom Bundesrat, spezifische Massnahmen in die Botschaft zur AP30+ aufzunehmen und die bestehenden Instrumente an neue Konsumtrends anzupassen.
Politischer Handlungsauftrag an den Bundesrat
Im Zentrum stehen Anreizsysteme für die alternative Vermarktung:
- Direktvermarktung
- kurze Vertriebswege
- regionale Wertschöpfungssysteme
Damit gelangen Lebensmittel möglichst direkt von den Produzenten zu den Konsumenten, was beim weitaus grössten Teil der erzeugten Produkte heute nicht mehr der Fall. Immer komplexer und länger werden die Lieferketten und verlaufen meist über hoch konzentrierte industrielle Verarbeitungs- und Handelsstrukturen. «Damit wollen wir die strukturellen Schwächen der heutigen Agrarmärkte und die ungleiche Verteilung der Wertschöpfung adressieren», so FMS-Präsident und Agrarökonom Stefan Flückiger.
Marktungleichgewichte bleiben ungelöst
Aus Sicht von FMS sind Produzentinnen und Produzenten sowie gewerbliche Betriebe in den bestehenden Vermarktungskanälen oft zu stark von wenigen marktmächtigen Abnehmern abhängig. Diese Abhängigkeiten schwächen die Verhandlungsmacht entlang der Wertschöpfungskette und führen dazu, dass faire Preise kaum durchgesetzt werden können. «Alternative Vermarktungssysteme sind deshalb kein Nischenthema, sondern ein zentraler Hebel für funktionierende Märkte», sagt Stefan Flückiger.
Nachhaltigkeit ist Teil der Lösung
Kurze Lieferketten leisten gleichzeitig einen konkreten Beitrag zur Nachhaltigkeit: geringere Transportdistanzen, stärkere regionale Kreisläufe und mehr Transparenz für Konsumentinnen und Konsumenten. Auch wenn Nachhaltigkeit politisch aktuell weniger im Fokus steht, bleibt sie eng mit der Frage fairer Marktstrukturen verbunden.
Projekt ‘lokal+fair’: Umsetzung auf Marktebene
Mit dem Projekt lokal+fair arbeitet FMS bereits an konkreten Lösungen. Die Initiative stärkt regionale Netzwerke und faire Handelsbeziehungen zwischen Produktion, Verarbeitung und Konsum und bindet als Schwerpunkt die Gemeinden als Multiplikatorinnen lokale Verankerung mit ein. Der Kampagnenstart 2026 ist für Anfang April vorgesehen.
«Die AP30+ setzt wichtige Signale, lässt aber zentrale Hebel ungenutzt. Die eingereichte Motion von Ständerätin Maya Graf bringt die Förderung von Direktvermarktung und kurzen Vertriebswegen nun konkret in den politischen Prozess ein», so Stefan Flückiger.



