Milchmarkt: Faire Märkte Schweiz fordert Aufbau von «Gegenmacht», Mengenmanagement und neue Preisregeln

Der Schweizer Milchmarkt funktioniert aus Sicht von Faire Märkte Schweiz (FMS) derzeit nur ungenügend. Angesichts wachsender Marktungleichgewichte fordert der Verein heute strukturelle Reformen: stärkere Produzentenorganisationen, eine bessere Mengenkoordination sowie eine fairere Preisbildung entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

In einem Schreiben an die Schweizer Milchproduzenten (SMP) legt Faire Märkte Schweiz deshalb Vorschläge für einen resilienteren und faireren Milchmarkt vor. Im Zentrum steht die Stärkung der Produzentenorganisationen, weil sich die Marktstrukturen in den vergangenen Jahren stark konzentriert und das strukturelle Ungleichgewicht im Milchmarkt verschärft haben. Nun haben die Produzenten gemäss FMS eine Gegenmacht aufzubauen. Der Verein schlägt vor, die Produzenten in drei bis fünf schlagkräftigen Organisationen zu bündeln. Ziel ist es, die Verhandlungsmacht gegenüber Verarbeitern und Detailhandel zu stärken.

Zudem fordert FMS  eine bessere Mengenkoordination. In einem Markt mit wiederkehrenden Überschüssen seien kostendeckende Milchpreise kaum erreichbar. Produzentenorganisationen müssten deshalb in der Lage sein, Angebot und Nachfrage wirksam aufeinander abzustimmen.

Richtpreise müssen in der Praxis realisierbar sein

Auch bei der Preisbildung sieht FMS Handlungsbedarf. Die Richtpreise der Branchenorganisation Milch (BOM) haben heute lediglich empfehlenden Charakter – die effektiv ausbezahlten Preise weichen stark davon ab. Im Rahmen der Lieferkonditionen werden heute den Produzenten Bedingungen auferlegt, auf die sie keinen Einfluss haben (z.B. Verwertung zu A-/B-Milch, Transport Stall-Rampe, Marktabzüge etc.). Die aktuelle Praxis zeigt, dass die Lasten nicht solidarisch entlang der Wertschöpfungskette verteilt, sondern überwiegend dem «schwächsten Glied der Kette» übertragen werden. FMS fordert deshalb, dass Richtpreise künftig ab Hof definiert werden und sich stärker an den Produktionskosten orientieren. 

Zudem sollen Markt- und Preisrisiken nicht länger einseitig den Produzenten aufgebürdet werden. «Die Bauern sind sich gewohnt, mit den natürlichen Risiken zu leben», sagt FMS-Präsident Stefan Flückiger. «Je mehr jedoch Marktungleichgewichte bestehen, desto stärker generiert der Markt zusätzliche Risiken für die Produzenten.» Abnehmer und Branche seien gefordert, sich aktiv an der Minimierung dieser Risiken zu beteiligen. Schliesslich verlangt FMS Anpassungen beim Grenzschutz, um bestehende Lücken zu schliessen. 

Auch das Potenzial für alternative Modelle sei in der Schweiz noch längst nicht ausgeschöpft. Fairmilch-Modelle sollten gezielt gefördert werden, um existenzsichernde Milchpreise zu ermöglichen.

Für weitere Informationen:

Dr. Stefan Flückiger, Präsident, stefan.flueckiger@fairemaerkteschweiz.ch, +41 79 621 29 84. Medienkontakt: media@fairemaerkteschweiz.ch, +41 44 500 16 00. Website: www.fairemaerkteschweiz.ch. Bildmaterial: https://fairemaerkteschweiz.ch/downloads – Stefan Flückiger / Video Faire Milch.

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