Preisüberwacher bestätigt strukturelle Probleme im Lebensmittelhandel – dringender Handlungsbedarf besteht

a woman walking through a market filled with lots of food

Preisüberwacher bestätigt strukturelle Probleme im Lebensmittelhandel – dringender Handlungsbedarf besteht

Der Verein Faire Märkte Schweiz (FMS) ist zeigt sich erstaunt, dass der Preisüberwacher diese Woche bekannt gab, seine Marktbeobachtung zum Schweizer Lebensmitteldetailhandel abzuschliessen. Denn der Bericht bestätigt gerade jene strukturellen Probleme, vor denen FMS seit mehreren Jahren warnt: Eine hohe Marktkonzentration, die anhaltende Dominanz von Coop und Migros, sowie die Möglichkeit von missbräuchlichem Verhalten aufgrund deren marktbeherrschenden Stellung.

Die Ergebnisse der Marktbeobachtung zeigen vergleichsweise hohe Kostenstrukturen und einen begrenzten Wettbewerbsdruck im Schweizer Lebensmittel-Detailhandel. Der Preisüberwacher führt dies unter anderem auf die oligopolistische Marktstruktur, d.h. die dominante Stellung der beiden Grossverteiler Coop und Migros zurück. Auch die Markteintritte von Discountern Aldi und Lidl haben daran nichts Grundlegendes geändert. Die Marktkonzentration bleibt hoch – ein weiterer Punkt, den die FMS seit langem kritisiert.

Der Preisüberwacher bestätigt, dass wegen der hohen Bruttomargen ein unausgeschöpftes Potenzial für Preissenkungen besteht. Aufgrund des geringen Wettbewerbsdrucks und der damit einhergehenden Ineffizienzen bleiben die hohen Kostenstrukturen erhalten.

Preisüberwacher überwacht Konsumentenpreise und nicht Produzentenpreise

Ein wesentlicher blinder Fleck bleibt: Die Abklärungen haben sich ausschliesslich auf Konsumentenpreise bezogen. Zu Produzenten- und Verarbeitungspreisen äussert sich der Preisüberwacher nicht, obwohl gerade dort der Druck durch die Tiefpreisstrategien der marktmächtigen Detailhändler enorm zugenommen hat. Die vom Preisüberwacher festgestellten Effizienzprobleme und damit zusammenhängenden hohen Kosten im Schweizer Detailhandel haben zur Folge, dass der Preisdruck auf die Produktion und Verarbeitung weitergegeben wird, insbesondere also auf die Bäuerinnen und Bauern. 

Kritisch beurteilt der Verein FMS jedoch, dass der Preisüberwacher seine Untersuchung abschliesst und keine weiteren Schritte einleitet. Für die Situation auf Produzenten- und Verarbeitungsstufe bleibt damit eine regulatorische Lücke: Für diese Stufen wäre die Wettbewerbskommission (Weko) zuständig. Diese handelte jedoch bislang nicht.

Aus Sicht von FMS hat sich der heutige Marktzustand auch deshalb verfestigt, weil die Weko auf entsprechende Hinweise nicht entschieden genug reagiert hat. FMS fordert die Weko daher auf, dass sie die vom Preisüberwacher festgestellten strukturellen Probleme nicht nur zur Kenntnis nimmt, sondern konkrete Massnahmen in die Wege leitet. Ziel muss ein fairer Wettbewerb entlang der gesamten Wertschöpfungskette sein, von den Produzenten bis zu den Konsumentinnen und Konsumenten.

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