Goliath gegen FMS, Start lokal+fair und Fokus Romandie: FMS-Monatsbericht April

Goliath gegen FMS, Start lokal+fair und Fokus Romandie: FMS-Monatsbericht April

Unter dem Titel “Goliath gegen FMS” berichten wir im Fokus über den Einschüchterungsversuch des global führenden Agrarunternehmens Syngenta. Der Basler Agrochemie-Konzern, der vor zehn Jahren von der chinesische ChemChina gekauft wurde, droht FMS mit juristischen Schritten. Sachlich begründete Transparenzarbeit ist nicht erwünscht! Unter den Kurzmeldungen berichten wir über viel Erfreuliches, wie z.B. über die neue Video-Kampagne in der Westschweiz, den Kampagnenstart von lokal+fair 2026 und die Partnerschaft mit dem erfolgreichen Unternehmen La Petite Epicerie. 

Im Fokus

Goliath gegen FMS: Syngenta droht wegen wissenschaftlicher Analyse

FMS zeigte mit einer Recherche auf, die am 14. Februar 2026 in einem 10vor10-Beitrag vorgestellt wurde: Die in den letzten 5 Jahren hart erkämpften Mehrerlöse der Schweizer Bauern bei Produktpreisen im Vorleistungsbereich sind nicht bei ihnen geblieben, sondern praktisch vollständig durch höhere Vorleistungen zunichte gemacht worden. Die Recherche – auf Basis wissenschaftlicher Studien und Quellen –  hält fest: «Die Märkte im Vorleistungsbereich werden weitgehend von marktmächtigen Unternehmungen dominiert, viele sind auch global agierende Konzerne wie Fenaco, Bayer, Syngenta, Maschinenkonzerne etc.» Obwohl das Unternehmen auf seiner eigenen Website stolz verkündet, ein «global führendes Agrarunternehmen» zu sein, soll Syngenta nicht als «marktmächtige Unternehmung» bezeichnet werden und drohte FMS rechtliche Schritte an, sollte sein Name nicht entfernt werden. FMS wertet dies als Versuch, sachlich begründete Transparenzarbeit durch juristische Drohungen zu unterbinden. Mehr dazu hier. Vor diesem Hintergrund sehen wir uns als Kompetenz- und Transparenzorganisation verpflichtet, entlang der Lieferketten vollständige Klarheit zu schaffen und auf Druckversuche der Industrie nicht einzugehen

Kurzmeldungen

Krise im Milchmarkt: strukturelle Schwächen angehen

Die wohl grösste Milchkrise seit Langem ist aufgrund struktureller Schwächen in der Marktordnung mehr als ein reines Überangebotsproblem. Unausgewogene Machtverhältnisse, fehlende Transparenz und unzureichende Mengenkoordination verschärfen die Situation. Nachhaltige Lösungen sind nur mit fairen Marktbedingungen möglich, die die Stellung der Produzentinnen und Produzenten stärken. Vor diesem Hintergrund hat Faire Märkte Schweiz ein Konzept für einen resilienten und gerechten Milchmarkt zuhanden der Schweizer Milchproduzenten SMP entwickelt (vgl. März-Newsletter und die Berichterstattung, etwa hier).Der Vorstand der SMP hat zum FMS-Konzept Stellung genommen und uns mitgeteilt, dass dieses in die weiteren Arbeiten einer brancheninternen Arbeitsgruppe einfliessen wird. Konkrete Lösungsschritte sind im Herbst 2026 zu erwarten.

Nach erneuten Meldungen auf der Notruf-Nummer verdichten sich die Hinweise auf einen Missbrauch der machtmächtigen Stellung. FMS fordert bei der Wettbewerbskommission eine Überprüfung ein. Darüber berichtet haben u.a. Foodaktuell und Fachmedien

Video-Kampagne ‘Transparenz’

Warum verdient eine Bäuerin oder ein Bauer an einem Produkt oft nur einen kleinen Teil des Verkaufs-preises? Und weshalb sind nachhaltige Produkte für Konsumentinnen & Konsumenten preislich oft schwer einzuordnen? Die neue Sensibilisierungskampagne ‚Transparenz‘ in der Romandie setzt genau hier an. Sie will die Preisbildung bei Lebensmitteln verständlicher machen und Transparenz entlang der gesamten Wertschöpfungskette fördern. Getragen wird das Projekt vom Verein Faire Märkte Schweiz und der Genossenschaft ProGana, unterstützt von der Stiftung Future 3.

Nachhaltigkeit auf dem Vormarsch: lokal+fair 2026

Heime, Sportanlagen und sogar die Dorfbadi: Gemeinden setzen in ihren Verpflegungs-einrichtungen vermehrt auf lokale Produkte. Dazu verhilft ihnen nun auch das Projekt lokal+fair von Faire Märkte Schweiz. Im April wurde die lokal+fair-Kampagne 2026 lanciert (vgl. Beitrag hier).

«Lokale und dadurch frische, saisonale Produkte sind nicht nur nachhaltiger, sondern auch schmackhafter und gesünder», erklärt etwa Stefan Tobler, Leiter der Heime Uster.

Zum Bericht im Schweizer Bauer

lokal+fair-Betrieb: La Petite Epicerie – erfolgreich unterwegs mit neuem Konzept

Vor 8 Jahren entwickelten die vier Gründer im Kanton Waadt das innovative Konzept von La Petite Épicerie (Prix Suisse de l’Ethique 2023).  Als Kinder der Ladenbesitzerin ihres Dorfes, die schliessen musste, waren Sylvain und seine Schwester Stéphanie Favre besonders motiviert, ein Vertriebssystem für ländliche Gebiete zu entwickeln, das auf den direkten Austausch zwischen Erzeugern und Verbrauchern ausgerichtet ist. Ziel war, den Konsum von Produkten zu fördern, die in der unmittelbaren Umgebung angebaut und hergestellt werden. Diese machen 70 % des Umsatzes aus (von 490 Produzenten).

Dank der neuen Möglichkeiten der Digitalisierung konnten die Gründer von La Petite Épicerie innovative, personalfreie Verkaufsstellen einrichten, die rund um die Uhr geöffnet sind. Die Margen in den Geschäften sind dadurch geringer, aber die Arbeit der Produzenten wird fair vergütet. Mit den 16 Verkaufsstellen ist La Petite Epicerie, ursprünglich aus Bavois, auch in der Deutschschweiz sehr erfolgreich. Die Verkaufsstellen werden im Mai unter www.lokalundfair.ch porträtiert werden.

Gründer Sylvain Favre (links), Verantwortliche Kommunikation Celine Duruz (rechts)

FMS-Mitgliederversammlung

Gerne erinnern wir daran, dass im Juni die FMS-Mitgliederversammlung stattfindet. Mitglieder und Gäste sind herzlich willkommen. Die Mitgliederversammlung findet statt am Donnerstag, 25. Juni 2026, von 16.30 bis 17.30 bei unserem Partner Menu and More AG, Ecopark Tivoli,  Pfadackerstrasse 10, 8957 Spreitenbach. Von 17.30 bis 19 Uhr sind Sie eingeladen zur Exkursion bei der Menu and More AG und einem anschliessendem Apéro. Anmelden hier: https://administrator611728.typeform.com/to/YtjiO0pZ

Philanthropischer Beirat

Viele Initiativen für fairen Handel, Tierwohl und Umweltschutz konzentrieren sich auf einzelne Produkte oder Produktionsweisen. Wir sind überzeugt, dass der grösste Hebel tiefer liegt: bei den Marktstrukturen. FMS setzt sich daher dafür ein, Bedingungen zu schaffen, die das Wohl von Mensch, Tier und Umwelt gewährleisten, und zugleich konkrete Veränderungen anzustossen. Unsere Vision ist eine Schweiz, in der das Wohl von Tier, Mensch und Umwelt gewährleistet ist. Um diese Perspektive weiter zu entwickeln, bauen wir mit dem neugegründeten philanthropischen Beirat einen Kreis von Persönlichkeiten auf, die sich für diese Anliegen interessieren und ihre Erfahrung und Perspektiven einbringen. Melden Sie sich bei Interesse unter info@fairemaerkteschweiz.ch.

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