Faire Märkte Schweiz: Ernährungswende mit lokal+fair

Faire Märkte Schweiz: Ernährungswende mit lokal+fair

Heime, Sportanlagen und sogar die Dorfbadi: Gemeinden setzen in ihren Verpflegungseinrichtungen vermehrt auf lokale Produkte. Dazu verhilft ihnen nun auch das Projekt lokal+fair von Faire Märkte Schweiz. Der Verein lanciert heute die lokal+fair-Kampagne 2026.

In der Schweiz ist Nachhaltigkeit in der öffentlichen Verpflegung auf dem Vormarsch, wie sie die sogenannte ‚EAT Lancet-Kommission‘ im Rahmen der “Planetary Health Diet 2.0” vorgibt, ob Bio-Quoten in Kantinen, lokale Produkte in der Gemeinschaftsverpflegung oder Fleisch mit höheren Tierschutzstandards. So hat sich auch  die Stadt Zürich verpflichtet, bis Ende 2026 mindestens 50% nachhaltige Lebensmittel in städtischen Einrichtungen zu servieren, und auch Basel macht mit seinem Massnahmenkatalog die ökologische Produktion zum neuen Standard. 

Heute lanciert der Verein Faire Märkte Schweiz die Kampagne 2026 des Projekts lokal+fair eine schweizweite Offensive, die auf genau diese Ziele einzahlt : Mehr nachhaltige, lokale Produkte in den Verpflegungseinrichtungen der Gemeinden, die bereits als lokal+fair – Gemeinden ausgezeichnet wurden. Dabei wird klar: Der Wille ist oft da, aber wer bereitet den Weg?

Das Matchmaking ist entscheidend

«Viele Städte und Gemeinden würden in ihren Verpflegungseinrichtungen gern mehr Lokales servieren», konstatiert Stefan Flückiger, Geschäftsleitender Präsident des FMS. «Die Herausforderung besteht darin, lokale Zulieferer mit den Verpflegungsinstitutionen zu verknüpfen und Lieferbeziehungen zu etablieren.»

Dieser Aufgabe nimmt sich in seiner Kampagne 2026 das Projekt lokal+fair an. Bereits im Vorjahr gelang in der lokal+fair – Stadt Uster, was nun grossflächig Schule machen soll: Die Heime, die Sportanlagen und sogar die Dorfbadi setzen wo immer möglich auf lokale Produkte. Dies ist dank vertrauensvoller Beziehungen, frischer Produkte und den neuen Absatzkanälen für lokale Produzierende für alle Beteiligten ein Gewinn. Fleisch von der lokalen Metzgerei, Brot vom Beck ums Eck und Obst aus der direkten Umgebung: Mit lokalen Produkten bringt lokal+fair  dank kurzer Lieferketten und hoher Standards Nachhaltigkeit in öffentliche Verpflegungsbetriebe, ohne eine Verzichtsdebatte zu lancieren. 

Lokal+fair heisst Genuss und Frische

Während im Nachhaltigkeitsdiskurs oft eine Verzichtsdiskussion entbrennt, berichten beteiligte Institutionen vom Gegenteil: «Lokale und dadurch frische, saisonale Produkte sind nicht nur nachhaltiger, sondern auch schmackhafter und gesünder», wie Stefan Tobler, der Leiter der Heime Uster, erklärt. Zudem profitiert das lokale Gewerbe und die Bevölkerung, indem der Zugang zu frischen und gesunden Produkten ermöglicht und niederschwellig gestaltet wird. Besonders in Kitas und Altersheimen ist der Mehrwert von lokalen Produkten gegenüber Convenience, wie es in Systemgastronomien oft üblich ist, gross. «lokal+fair hilft dabei, Zulieferer mit Verpflegungsbetrieben zu verknüpfen, holt Bedürfnisse ab und sorgt für massgeschneiderte Lösungen je nach Situation vor Ort. Das ist aufwendig, klar, aber es lohnt sich doppelt und dreifach», meint Stefan Flückiger mit Blick auf das Jahr 2026.

Die Lokale Wertschöpfung steigern: lokal+fair

lokal+fair ist ein Projekt von Faire Märkte Schweiz (FMS) mit dem Ziel, die lokalen Bäuerinnen und Bauern, Verarbeitungsbetriebe und das Gewerbe fair für ihre Produkte zu entschädigen und Gemeinden dazu zu motivieren den lokalen Absatz zu fördern. Damit soll die Wertschöpfung in den Gemeinden gesteigert werden. Also möglichst direkt und fair von den Produzentinnen und Produzenten zu den Konsumentinnen und Konsumenten.

Was heisst lokal?
Produktion und Vertrieb sollen möglichst lokal sein und kurze Transportwege aufweisen (wenn nicht lokal, dann möglichst regional). Die landwirtschaftlichen Erzeugnisse sollen möglichst direkt oder maximal über eine Zwischenstufe (Verarbeitung) vermarktet werden.

Was heisst fair?
Die generierte Wertschöpfung soll auf allen Stufen angemessen und fair entschädigt werden. Vom nachhaltigen Wirtschaften sollen die lokalen Produzentinnen und Produzenten, aber auch die Gewerbebetriebe profitieren, die eine Rückverfolgbarkeit und Herkunft ihrer Produkte sicherstellen.

Heute in den Kalender eintragen: Nationaler lokal+fair-Tag am 17. Oktober 2026. Ihr Betrieb möchte mitmachen? Anmelden hier.

Zur Vernetzungsplattform: https://lokalundfair.ch

Folgen:

Weitere Beiträge

Migros-Skonto kostet Früchte- und Gemüseproduzenten 12 Millionen Franken pro Jahr: Anzeige eingereicht 

Schweizer Früchte- und Gemüseproduzenten verlieren nach Berechnungen von Faire Märkte Schweiz (FMS) jährlich rund CHF 12 Millionen durch das sogenannte Migros-Skonto-Regime. Dabei zieht Migros den Lieferanten pauschal 3 Prozent auf den Warenwert ab. FMS hat deshalb bei der Wettbewerbskommission (WEKO) Anzeige wegen des Verdachts auf Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung eingereicht. 

a woman walking through a market filled with lots of food

Preisüberwacher bestätigt strukturelle Probleme im Lebensmittelhandel – dringender Handlungsbedarf besteht

Der Verein Faire Märkte Schweiz (FMS) ist zeigt sich erstaunt, dass der Preisüberwacher diese Woche bekannt gab, seine Marktbeobachtung zum Schweizer Lebensmitteldetailhandel abzuschliessen. Denn der Bericht bestätigt gerade jene strukturellen Probleme, vor denen FMS seit mehreren Jahren warnt: Eine hohe Marktkonzentration, die anhaltende Dominanz von Coop und Migros, sowie die Möglichkeit von missbräuchlichem Verhalten aufgrund deren marktbeherrschenden Stellung.

Goliath gegen FMS, Start lokal+fair und Fokus Romandie: FMS-Monatsbericht April

Unter dem Titel “Goliath gegen FMS” berichten wir im Fokus über den Einschüchterungsversuch des global führenden Agrarunternehmens Syngenta. Der Basler Agrochemie-Konzern, der vor zehn Jahren von der chinesische ChemChina gekauft wurde, droht FMS mit juristischen Schritten. Sachlich begründete Transparenzarbeit ist nicht erwünscht! Unter den Kurzmeldungen berichten wir über viel Erfreuliches, wie z.B. über die neue Video-Kampagne in der Westschweiz, den Kampagnenstart von lokal+fair 2026 und die Partnerschaft mit dem erfolgreichen Unternehmen La Petite Epicerie. 

Goliath gegen FMS: Syngenta droht Transparenzorganisation mit Klage – weil sie als «marktmächtig» bezeichnet wird

Der Grosskonzern Syngenta fordert von der NGO Faire Märkte Schweiz (FMS), seinen Firmennamen aus wissenschaftlich belegten Marktanalysen zu entfernen. Das Kernproblem: Syngenta will nicht als «marktmächtige Unternehmung» bezeichnet werden – obwohl das Unternehmen auf seiner eigenen Website stolz verkündet, ein «global führendes Agrarunternehmen» zu sein. FMS wertet dies als Versuch, sachlich begründete Transparenzarbeit durch juristische Drohungen zu unterbinden.