Brotgetreide: Faire Märkte Schweiz warnt vor Senkungen bei Richtpreisen
Neue Vollkostenberechnungen zeigen: Die Produzentenpreise in der Schweiz für Brotweizen liegen bereits heute unter einem fairen und kostendeckenden Niveau.
Vor den Richtpreisverhandlungen für Brotgetreide vom kommenden Montag warnt Faire Märkte Schweiz vor Preissenkungen. Neue Vollkostenberechnungen zeigen, dass die Produzentenpreise für Weizen bereits heute unter einem fairen und kostendeckenden Niveau liegen.
Die Berechnungen wurden auf Basis von Agroscope-Daten von der Fachhochschule Nordwestschweiz durchgeführt. Sie zeigen: Weizenproduzenten erzielten in den Jahren 2016 bis 2023 durchschnittlich rund 50 Franken pro Dezitonne. Für die Erzielung eines angemessenen Einkommens gemäss Landwirtschaftsgesetz wären jedoch durchschnittlich 54 Franken pro Dezitonne erforderlich.
Werden zudem die unternehmerischen Risiken der landwirtschaftlichen Produktion berücksichtigt, etwa wetterbedingte Ertragsschwankungen, ergibt sich gemäss den Vollkostenberechnungen ein kostendeckender Produzentenpreis von 60 Franken pro Dezitonne.
«Angesichts dieser Ergebnisse wäre eine Senkung der Richtpreise trotz der derzeitigen mengenmässigen Herausforderungen im Brotgetreidemarkt der falsche Weg. Die Diskussion muss beleuchten, wie eine faire und kostendeckende Preisbildung für die Produzentinnen und Produzenten sichergestellt werden kann», sagt FMS-Präsident Stefan Flückiger.
Marktstrukturen erschweren faire Preisverhandlungen
Faire Märkte Schweiz kritisiert zudem die Rahmenbedingungen der Preisbildung im Brotgetreidemarkt. Die Produzentenseite stehe grossen Detailhandels- und Verarbeitungsunternehmen gegenüber, die über eine deutlich stärkere Marktposition verfügten. Hinzu kämen enge vertikale Verflechtungen entlang der Wertschöpfungskette, etwa durch Mühlen, die eng mit Detailhändlern verbunden sind oder sich in deren Besitz befinden. Diese Machtasymmetrie wird durch erhebliche Informationsasymmetrien zusätzlich verstärkt. Die Produzentenseite verfügt nicht über gleichwertige Informationen zu den tatsächlichen Kostenstrukturen, Margen und zur Kalkulation der Endverkauftspreise.
Unter solchen Voraussetzungen bestehe die Gefahr, dass Richtpreise nicht das Ergebnis von Verhandlungen auf Augenhöhe seien, sondern bestehende Machtverhältnisse widerspiegelten.
Faire Märkte Schweiz fordert deshalb, die bevorstehenden Richtpreisverhandlungen an den tatsächlichen Produktionskosten und den gesetzlichen Vorgaben für ein angemessenes Einkommen auszurichten. Die Organisation hat sich heute mit ihrer entsprechenden Empfehlung an die Branchenorganisation Swissgranum gewandt. Die neuen Vollkostenberechnungen zeigen klar, dass dafür keine Senkung, sondern vielmehr eine Diskussion über faire, transparente und vollkostendeckende Produzentenpreise notwendig ist.


