Preisänderungen im Bio-Milchmarkt: Der Grosshandel reagiert auf Druck aus Gesellschaft-und versucht dann durch die Hintertüre Margen wieder zu erhöhen

Preisänderungen im Bio-Milchmarkt: Der Grosshandel reagiert auf Druck aus Gesellschaft-und versucht dann durch die Hintertüre Margen wieder zu erhöhen

Die Detailhändler erhöhen klammheimlich die Preise für Biomilch. Nachdem sie im Frühsommer auf den Druck nach Senkung ihrer Margen reagiert und die Preise gesenkt hatten, werden diese aktuell durch die Hintertür wieder erhöht. Faire Märkte Schweiz fordert ein Ende solcher Margenoptimierungen und verlangt Transparenz, damit ersichtlich ist, dass der ganze Aufschlag 1 zu 1 den Produzenten zugute kommt.

Die neuen Entwicklungen im Bio-Milchmarkt irritieren. Der Preis eines Liters Bio-Past-Vollmilch ist bei Migros zwischen Juni und Juli von 1,85 auf 1,90 CHF (3,5% Fett) gestiegen, bei Coop von 1,90 auf 1,95 CHF (3,9%). Bei Aldi kostet der Liter unverändert 1,79 CHF (3,9%). Dies berichtet auch der aktuelle Beobachter.

Sinken müssen die überhöhten Margen

Dies steht in krassem Gegensatz zur begrüssenswerten Entwicklung vom Juni, als die beiden Grossverteiler auf die Forderung nach Senkung ihrer Bio-Margen reagiert und die Preise gesenkt hatten, Migros um 10 Rappen, Coop um 5 Rappen pro Kilogramm Biomilch(1). Dies, nachdem die Produzentenpreise zuvor über mehrere Monate(2) praktisch konstant blieben. Dass die Detailhändler nun knapp einen Monat später diese Reduktion der Biomargen im Handel durch die Hintertür wieder rückgängig machen, wird von der Fairnessorganisation FMS (Faire Märkte Schweiz) scharf verurteilt.

Aktuelle Entwicklungen und Irritationen zeigen Transparenz-Bedarf auf

Vor diesem Hintergrund muss vermutet werden, dass nicht die Produzenten zu 100% von dieser Erhöhung der Ladenpreise profitieren, sondern Margenoptimierung betrieben wird, unabhängig davon, ob im Sommer saisonbedingt die Produzentenpreise jeweils ansteigen.

Faire Märkte Schweiz fordert aufgrund der aktuellen Entwicklungen mehr Transparenz entlang der Wertschöpfungskette. «Die Entwicklung, dass die Preise nun wieder gestiegen sind, ist nicht nachvollziehbar», sagt FMS-Präsident Stefan Flückiger. «Diese Preiskapriolen zeigen, dass die preisführenden Unternehmungen mehr Transparenz entlang der Wertschöpfungskette zulassen müssen.»

Phänomen der Preistransmission muss vermutet werden

Wenn nach so kurzer Zeit die Verkaufspreise wieder erhöht wurden, hängt dies oft mit dem Phänomen der “asymmetrischen Preistransmission” zusammen, bei der Preissenkungen verzögert und Preiserhöhungen sofort weitergegeben werden, was zur Verbesserung der eigenen wirtschaftlichen Situation führt.

Marktmacht wird als eine Hauptursache für solche Preistransmissionen angeführt. Dies darf deshalb auch hier vermutet werden. Faire Märkte Schweiz wird die Preisentwicklung weiterhin genau beobachten und mit Milchgeldabrechnungen überprüfen, ob die Preiserhöhungen tatsächlich den Produzenten zugutekommen.

(1) Laut Preismonitor des FMS sank der Produzentenpreis von Biomilch im Januar 2024 auf 0,89 CHF und blieb bis Ende Mai stabil, vgl. hier und hier, zudem hier.  Saisonbedingt könnten die Produzentenpreise gestiegen sein; dies bedürfte einer genauen Information und ist anteilig an den Margen aufzufangen, nicht über den Ladenpreis.

(2) März bis Mai, gemäss Statistik BLW.

Folgen:

Weitere Beiträge

Projekt-Kickoff, Agrar-Inputpreise & lokal+fair in Graubünden: FMS-Monatsbericht März 2025

Der FMS ist kürzlich darauf angesprochen worden, ob sich die Organisation mit ihren Aktivitäten vorwiegend auf die Preisdiskussion konzentriere. Die Preisdiskussion liegt tatsächlich Vielem zugrunde, was angegangen werden muss. Die übergeordnete Vision dagegen geht viel weiter: Wir wollen fairere und gerechtere Märkte schaffen und damit die Transformation hin zu nachhaltigeren Märkten ermöglichen. Dies bringen wir zum Beispiel mit dem Self-Check zum Ausdruck, mit dem Betriebe in der Agrar- und Lebensmittelbranche ihre Situation bezüglich Fairness mit Hilfe der Indikatoren Wettbewerb, Wertschöpfung, Transparenz, Liefervereinbarung, Bezahlung, Beschwerde beurteilen können. Und über den Preis müssen wir dabei natürlich auch reden.

Preiskampf im Fleischmarkt

Am 21. Februar 2025 war Stefanie Lichtsteiner, Geschäftsführerin von Faire Märkte Schweiz, zu Gast in der italienischsprachigen Sendung «Patti chiari» der RSI. In der Sendung wurde der Fleischmarkt unter die Lupe genommen. Neben der Frage nach der Preis- und Qualitätsunterschiede von Entrecôtes aus der Schweiz und dem Ausland, standen die Auswirkungen des aktuellen Preiskriegs auf die Landwirtschaft und die Konsumenten im Fokus.

Monatsbericht Februar

Im letzten Jahr zeigten wir mit einer Analyse die grosse Diskrepanz zwischen den offiziellen und den effektiv ausbezahlten Produzentenpreisen auf. Dies war der Auslöser, dass wir uns vertieft mit den Erlösverlusten durch Abzüge bei den Produzentenpreisen beschäftigt haben. Im Fokus berichten wir über das erste Projekt in dieser Projektserie.

Notrufnummer für Gastro-Betriebe lanciert

Die Wettbewerbssituation im Gastro-Grosshandel gerät zunehmend unter Druck. Mit der Übernahme von Saviva durch Transgourmet und weiteren Zusammenschlüssen der letzten Jahre wird der Wettbewerb in der Branche erheblich eingeschränkt. Der Verein Faire Märkte Schweiz lanciert deshalb nun auch eine Notrufnummer für betroffene Gastronomen und Lieferanten.