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AP30+: Wichtige Schritte für faire Märkte und nachhaltige Ernährungssysteme. Doch es braucht mehr. 1 – Der Bundesrat hat die Eckwerte für die Agrarpolitik ab 2030

Die Hitze und Trockenheit diesen Sommer stellen die Landwirtschaft vor wachsende Herausforderungen – wir haben im Juli-Newsletter bereits berichtet. Klimaanpassung, etwa durch Bewässerung und robustere Kulturen, ist ebenso notwendig wie Soforthilfe für akut betroffene Betriebe. Doch Anpassung ersetzt den Klimaschutz nicht. Ohne die Ursachen anzugehen, werden Schäden und Kosten weiter zunehmen.

Am Tag der Schweizer Nahrungsmittelindustrie diskutiert die Branche über wachsende Märkte, fehlenden Absatz und regulatorische Hürden. Doch wer nur über Hürden an der Grenze spricht, blendet die Machtverhältnisse im Schweizer Binnenmarkt aus. Die stark gestiegenen Backwarenimporte zeigen exemplarisch, weshalb eine breitere Wettbewerbsdiskussion nötig ist. Unabhängige und gewerbliche Produzenten und Verarbeitungsbetriebe sind mit zunehmend konzentrierten Marktstrukturen und fehlenden Ausweichmöglichkeiten konfrontiert, die ihre Absatzchancen beeinträchtigen.

Die Extremwetterlage verteuert die landwirtschaftliche Produktion und verknappt das Angebot. Faire Märkte Schweiz fordert, dass strukturelles Marktversagen konsequent angegangen wird. Denn: Dass Preissignale sich nicht in höheren Produzentenpreisen niederschlagen, zeigt die Folgen eines Marktes, in dem wenige marktmächtige Abnehmer die Preise und Konditionen bestimmen.

«Ich erinnere mich an den Hitzesommer vor 50 Jahren» , so FMS-Präsident Stefan Flückiger im aktuellen Monatsbericht. «Ich war 1976 in der landwirtschaftlichen Lehre und wir mussten im Baselbieter Jura dem Jungvieh Laub aus dem Wald verfüttern, weil die Weiden verdorrt waren. Und solche Ereignisse werden zukünftig häufiger und extremer eintreten und die landwirtschaftliche Produktion noch stärker fordern.

Der Juni hat einmal mehr gezeigt, wie wichtig faire Marktstrukturen und Rahmenbedingungen für den Wandel hin zu einer nachhaltigen Schweiz sind. Dies zeigte sich besonders bei den Richtpreisverhandlungen für Brotgetreide: Obwohl aktuelle Vollkostenberechnungen der Fachhochschule Nordwestschweiz mit Daten der Agroscope belegen, dass die Produzentenpreise bereits heute nicht fair und kostendeckend sind, wurden die Richtpreise gesenkt. Damit wächst die Lücke zwischen Produktionskosten und Einkommen weiter mit Folgen für die Produktion und die Gesamtbevölkerung. Mehr in unserem Monatsbericht.

Die Stadt Genf erhält den «lokal+fair»-Award des Vereins Faire Märkte Schweiz. Die Auszeichnung würdigt das zukunftsorientierte Engagement der Stadt für regionale Lebensmittel, kurze Lieferketten und eine nachhaltige Ernährungspolitik. Für Faire Märkte Schweiz hat die Ehrung eine Bedeutung, die über die Stadtgrenzen hinausreicht: Sie zeigt, welche Rolle Städte künftig für kurze Lieferketten, regionale Wertschöpfung und nachhaltige Ernährung übernehmen können.

Vor den Richtpreisverhandlungen für Brotgetreide
warnt Faire Märkte Schweiz vor Preissenkungen. Neue Vollkostenberechnungen zeigen, dass die Produzentenpreise für Weizen bereits heute unter einem fairen und kostendeckenden Niveau liegen.