Trockenheit, Wettbewerbsdruck & lokal+fair-Tag: FMS-Monatsbericht August
Die Hitze und Trockenheit diesen Sommer stellen die Landwirtschaft vor wachsende Herausforderungen – wir haben im Juli-Newsletter bereits berichtet. Klimaanpassung, etwa durch Bewässerung und robustere Kulturen, ist ebenso notwendig wie Soforthilfe für akut betroffene Betriebe. Doch Anpassung ersetzt den Klimaschutz nicht. Ohne die Ursachen anzugehen, werden Schäden und Kosten weiter zunehmen.
Dasselbe gilt für die Agrar- und Lebensmittelmärkte. Finanzielle Unterstützung kann ausserordentliche Belastungen abfedern, ersetzt aber keine funktionierenden Marktstrukturen. Wenn höhere Kosten, geringere Ernten und wachsende Risiken nicht in den Produzentenpreisen berücksichtigt werden, bleibt die Landwirtschaft von wiederkehrenden Hilfen abhängig. Es braucht deshalb dringend strukturelle Korrekturen, marktmächtige Abnehmer sollen Verantwortung übernehmen und auf unfaire Handelspraktiken verzichten.
Ein wichtiges Element für funktionierende Märkte beim Schlachtvieh sind die öffentlichen Schlachtviehmärkte, die zeigen, wie wichtig Transparenz und Wettbewerb sind. Weil Faire Märkte Schweiz aktuell diverse Beanstandungen zu den Preisangeboten erhalten hat, war FMS letzte Woche in Wattwil vor Ort und hat die Versteigerungen beobachtet.
Im Fokus
Hitze und Trockenheit legen strukturelles Marktversagen offen
Die Hitze und Trockenheit des Sommers 2026 belasten die Schweizer Landwirtschaft stark. Besonders im Obst- und Gemüsebau steigen die Kosten für Bewässerung, Kühlung, Pflanzenschutz, Personal und Logistik, während Erträge und vermarktbare Mengen zurückgehen. Eine Datenanalyse von Faire Märkte Schweiz zeigt jedoch, dass sich die Richtpreise und die effektiv ausbezahlten Produzentenpreise bei wichtigen Feldgemüsen gegenüber dem Vorjahr kaum erhöht haben.
Für FMS weist diese Entwicklung auf ein strukturelles Marktproblem hin: In einem funktionierenden Markt müssten ein knapperes Angebot, höhere Kosten und grössere Risiken zu entsprechenden Preissignalen führen. Vielen Produzentinnen und Produzenten fehlen jedoch alternative Absatzkanäle und damit die Möglichkeit, ihre Preise frei auszuhandeln. Fixpreise können die Situation zusätzlich verschärfen, wenn ausserordentliche Kosten und wetterbedingte Risiken einseitig bei den Landwirtschaftsbetrieben verbleiben.
Die BauernZeitung griff die Medienmitteilung von FMS auf und ging der Frage nach, weshalb die Gemüsepreise trotz teurer Bewässerung und geringerer Ernten kaum steigen. Kurz darauf wurde bekannt, dass der Verband Schweizer Gemüseproduzenten seine Mitglieder intern vor Ausschreibungen mit tiefen Fixpreisen gewarnt hat. Der Verband empfahl, entsprechende Offerten sorgfältig zu prüfen beziehungsweise nicht einzureichen. Werden Produkte Monate vor der Ernte zu tiefen Fixpreisen verkauft, tragen die Produzierenden das wirtschaftliche Risiko, während sich die Käufer gegen Marktschwankungen absichern (siehe Artikel BauernZeitung).
Am 21. August kündigte die Migros schliesslich einen einmaligen Solidaritätsbeitrag von zwei Millionen Franken für Landwirtschaftsbetriebe an, die durch die Trockenheit in finanzielle Not geraten sind. Die Soforthilfe ist wichtig. Sie ersetzt jedoch keine strukturelle Lösung: Langfristig müssen Produzentenpreise die Vollkosten, die erbrachte Wertschöpfung und die zunehmenden Produktionsrisiken abbilden. FMS fordert deshalb faire Verhandlungen, den Verzicht auf die einseitige Überwälzung von Risiken und wirksame Regeln gegen unfaire Handelspraktiken.
Kurzmeldungen
Der Elefant im Raum: Nicht primär ein Zoll-, sondern auch ein Wettbewerbsproblem
Der von der fial organisierte Tag der Schweizer Nahrungsmittelindustrie fand am 19. August unter dem Titel «Wenn der Markt wächst, aber nicht der Absatz» statt. Die Teilnehmenden diskutierten die Frage, weshalb die Branche trotz wachsender Nachfrage nur begrenzt vom Marktwachstum profitiert. Im Zentrum standen Zollasymmetrien, regulatorische Hürden sowie bau- und planungsrechtliche Vorgaben.
Faire Märkte Schweiz hat in einer Medienmitteilung und einem Positionspapier darauf hingewiesen, dass diese Faktoren nur einen Teil der Absatzprobleme erklären. Ebenso entscheidend seien die Wettbewerbsbedingungen im Schweizer Binnenmarkt. Die zunehmende Konzentration im Detailhandel, im Gastrogrosshandel und in der Verarbeitung schwäche die Verhandlungsposition gewerblicher und unabhängiger Betriebe (zu lesen auch in foodaktuell und dem Schweizer Bauer).
FMS fordert deshalb wirksame Instrumente gegen den Missbrauch wirtschaftlicher Abhängigkeiten, mehr Markttransparenz sowie eine konsequente Durchsetzung des Wettbewerbsrechts. Höhere Zölle allein gewährleisten noch keine fairen Absatzchancen für Schweizer Produzenten und Verarbeitungsbetriebe.
Öffentlicher Schlachtviehmarkt: FMS schaut genau hin
Faire Märkte Schweiz (FMS) beschäftigt sich seit Längerem mit den öffentlichen Schlachtviehmärkten. In den vergangenen Monaten sind mehrere Beanstandungen von Produzenten bei unserer Meldestelle eingegangen. FMS ist deshalb aktuell mit der Branchenorganisation Proviande im Dialog. Dies war der Grund, weshalb FMS-Präsident Stefan Flückiger und Vorstandsmitglied Werner Locher am Dienstag, 25. August 2026, persönlich am öffentlichen Markt in Wattwil vor Ort waren. Unsere Präsenz wurde von den Händlern kritisch aufgenommen. Auch der „Schweizer Bauer“ war vor Ort und berichtete darüber (Schweizer Bauer).
Verschiedene Medien haben – auch in Zusammenhang mit dem Ausnutzen der Notsituation aufgrund der Trockenheit – über Marktgegebenheiten berichtet, die Schlachtviehpreise auf den öffentlichen Märkten zu drücken. Der Organisator, die Nutz- und Schlachtviehgenossenschaft NSG, hat zudem zentrale Elemente eines funktionierenden Marktes in Wattwil konsequent umgesetzt: Die Händler kannten die Schätzungen von Proviande nicht, und für jedes Tier musste ein konkretes Preisgebot abgegeben werden. Die Tiere wurden somit nicht lediglich zum Preis der Proviande-Einschätzung gehandelt. Die Umstellung im Steigerungsablauf und die spezielle Marktbeobachtung hatten deutliche Folgen: Die rund 200 Tiere wurden deutlich über dem Schätzwert versteigert. Für Schlachtkühe wurden beispielsweise im Durchschnitt 37 Rp./kg mehr bezahlt, was den Bauern an diesem Tag insgesamt einen Mehrerlös von rund 35’000 Franken einbrachte. Das Ergebnis zeigt, wie wichtig funktionierende Märkte sind. FMS wird deshalb bei den öffentlichen Schlachtviehmärkten weiter genau hinschauen.
17. Oktober: Nationaler lokal+fair-Tag 2026
Am Samstag, 17. Oktober 2026, findet der nationale lokal+fair-Tag statt. Im Mittelpunkt stehen lokale Lebensmittel sowie die Menschen und Betriebe, die sie produzieren, verarbeiten und verkaufen.
Der diesjährige Hauptevent wird im Rahmen des Dorfmärits in unserer lokal+fair-Gemeinde Wohlen bei Bern durchgeführt. Von 9.30 bis 17 Uhr bietet der Dorfplatz in Hinterkappelen Raum für Begegnungen mit regionalen Produzentinnen, Produzenten und Gewerbebetrieben.
Gleichzeitig öffnen lokal+fair-Betriebe in der ganzen Schweiz ihre Türen. Hofführungen, Degustationen und kleine Hoffeste ermöglichen Einblicke in die regionale Lebensmittelproduktion.
Mehr Informationen dazu auf der lokal+fair-Webseite und auf unseren Social Media Kanälen.
lokal+fair-Betrieb: Metzgerei Hotz – Regionales Metzgerhandwerk seit 1878
Die Metzgerei Hotz aus Uster verbindet traditionelles Handwerk mit regionaler Wertschöpfung. Ihre Rohprodukte bezieht sie fast ausschliesslich aus der Umgebung und arbeitet eng mit persönlich bekannten Viehzüchtern, Landwirtschaftsbetrieben, Bäckereien und Gemüseproduzenten zusammen. Damit bleiben Lieferwege kurz und ein bedeutender Teil der Wertschöpfung in der Region.
Würste, Schinken und weitere Spezialitäten stellt der Betrieb nach eigenen Rezepturen in seiner Produktionsstätte in Fällanden her. Die eigene Verarbeitung schafft Transparenz und ermöglicht eine konsequente Qualitätskontrolle. Mit ihrem Bekenntnis zu Schweizer Fleisch, regionalen Zutaten und handwerklicher Produktion erfüllt die Metzgerei Hotz zentrale Anliegen von lokal+fair.

Treten Sie der FMS-Community bei
Werden Sie Spenderin oder Spender des FMS und seien Sie so Teil der gemeinsamen Vision. Mit Ihrer Spende tragen Sie bei zum Wohl von Mensch, Tier und Umwelt. IBAN CH87 0070 0114 8082 9030 6 oder online auf der FMS-Webseite.



