Hitze und Trockenheit legen strukturelles Marktversagen offen – Extremwetter verlangt Anpassungen am Markt

Hitze und Trockenheit legen strukturelles Marktversagen offen

Extremwetter verlangt Anpassungen am Markt

Die Extremwetterlage verteuert die landwirtschaftliche Produktion und verknappt das Angebot. Faire Märkte Schweiz fordert, dass strukturelles Marktversagen konsequent angegangen wird. Denn: Dass Preissignale sich nicht in höheren Produzentenpreisen niederschlagen, zeigt die Folgen eines Marktes, in dem wenige marktmächtige Abnehmer die Preise und Konditionen bestimmen.

Die Hitze und Trockenheit des Sommers 2026 treffen die Schweizer Landwirtschaft hart: Im Obst- und Gemüsebau steigen die Aufwendungen für Bewässerung, zusätzliche Kühlung, Pflanzenschutz, Personal und Logistik, während die Erträge und vermarktbaren Mengen zurückgehen. Gleichzeitig spiegeln sich die Mehrkosten und höheren Risiken kaum in den Produzentenpreisen wider. Die meisten Betriebe im Gemüsebau haben ausserordentliche Mehrkosten von mindestens 25 Prozent. 

Aktuelle Lage: Gemäss neuer Datenanalyse existenzgefährdend

Gleichzeitig haben sich gemäss einer neuen Datenanalyse von Faire Märkte Schweiz (FMS) bei den meisten Schlüsselprodukten im Feldgemüsebau die offiziellen Richtpreise als auch die aktuell effektiv ausbezahlten Preise im Vergleich zur aktuellen Zeitperiode im letzten Jahr kaum oder nur wenige Prozentpunkte nach oben entwickelt. Die aktuelle Lage ist für viele Betriebe existenzgefährdend und zeigt auf, dass die Preisbildung in den Agrar- und Lebensmittelmärkten durch erhebliche Marktmachtungleichgewichte geprägt ist. 

Bereits die Folgen des Irankriegs haben Energie, Betriebsmittel und Transporte verteuert. Das Extremwetter verschärft diesen Kostendruck, insbesondere durch die intensive Bewässerung mit den enormen hohen Wasserkosten. In einem funktionierenden Markt müssten ein knapperes Angebot, höhere Produktionskosten und grössere Risiken in den Preisen berücksichtigt werden. Doch viele Produzentinnen und Produzenten können ihre Preise nicht frei verhandeln. Ihnen stehen wenige, marktmächtige Abnehmer gegenüber, und ausreichende Absatzalternativen fehlen häufig. Auch werden die häufig angewendeten Fest- oder Fixpreisen der extremen Situation nicht gerecht, weil sie die deutlich höheren Mehrkosten nicht abbilden. So bleiben ausserordentliche Kosten und Risiken bei der schwächeren Vertragspartei hängen. 

Marktmacht setzt den Preismechanismus ausser Kraft

In einem funktionierenden Markt führen ein knapperes Angebot und höhere Kosten zu entsprechenden Preissignalen. Denn Wettbewerb ermöglicht faire Preise entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Wo marktmächtige Nachfrager Preise und Konditionen bestimmen können, wird dieser Mechanismus ausser Kraft gesetzt. Preise, die den Produzenten bezahlt werden, müssen die Kosten leistungsfähiger Betriebe, die erbrachte Wertschöpfung und die unternehmerischen Risiken der landwirtschaftlichen Produktion spiegeln. Dazu gehören auch wetterbedingte Ertragsschwankungen. Nur eine angemessene Vergütung ermöglicht existenzsicherndes Wirtschaften, Investition in klimaresiliente Produktion und den Wandel zu einem nachhaltigen Ernährungssystem:

FMS fordert deshalb strukturelle Korrekturen:

  • Richt- und Produzentenpreise müssen die aktuelle Marktlage, die Vollkosten und eine angemessene Abgeltung der Produktionsrisiken berücksichtigen.
  • Marktmächtige Abnehmer sollen Verantwortung übernehmen, faire Verhandlungen ermöglichen und auf Praktiken verzichten, die Kosten oder Risiken einseitig auf die Produktion abwälzen.
  • Die von einigen Abnehmern angewendeten Konventionalstrafen an Produzenten für ausfallende Ernten müssen eingestellt werden.
  • Wettbewerbsbehörden und Politik müssen strukturelle Wettbewerbsprobleme konsequenter abstellen, die Marktbeobachtung stärken und wirksame Regeln gegen unfaire Handelspraktiken schaffen.

Migros-Skonto: diktierte Bedingungen statt Wettbewerb

Der von FMS im Mai dieses Jahres bei der WEKO angezeigte Migros-Skontofall veranschaulicht diese Abhängigkeit. Migros zieht Lieferanten im Früchte- und Gemüsebereich pauschal 3 Prozent vom Warenwert ab. Eine echte Wahl zwischen rascher Zahlung mit Abzug und einer Nettozahlung ohne Abzug besteht nicht. Nach Berechnungen von FMS verlieren die Produzenten dadurch rund 12 Millionen Franken pro Jahr. Dass ein solcher Abzug über Jahre durchgesetzt werden kann, obwohl Lieferantenvereinigungen erfolglos eine Änderung verlangten, ist aus Sicht von FMS ein starkes Indiz für fehlende Ausweichmöglichkeiten und strukturellen Marktmachtmissbrauch. 

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