Wie Intransparenz Verbraucher und Produzenten schädigen kann – Gastkommentar

Wie Intransparenz Verbraucher und Produzenten schädigen kann – Gastkommentar

Aktuell zeigt sich: Die Schweizer Bevölkerung ist nicht mehr bereit, die Preispolitik vieler Sortimente zu akzeptieren, die zur Gewinnoptimierung nach der Zahlungsbereitschaft der Kunden ausgerichtet ist. Doch wie soll die Preisbildung erfolgen? Der Verein Faire Märkte Schweiz hält in seiner heutigen Mitteilung fest: Entscheidend ist, dass die Preisbildung transparent – und nachvollziehbar – erfolgt.

Warum ist Intransparenz schädlich? Diese Erläuterung liefert der Verein Faire Märkte Schweiz (FMS) in seinem heutigen Meinungsbeitrag in der Neuen Zürcher Zeitung. Diese hat mit dem Gastkommentar «Fallstricke der Transparenz» eine längst fällige Diskussion aufgegriffen; der Autor thematisiert darin die Risiken von Transparenzforderungen. 

Faire Märkte Schweiz bringt mit ihrer Stellungnahme von heute den noch fehlenden Teil in der Debatte ein: Welche volkswirtschaftlichen Schäden die Intransparenz in der Wirtschaft, denen Konsumentinnen und Konsumenten täglich ausgesetzt sind, verursachen. FMS-Präsident Stefan Flückiger schreibt dazu in der NZZ: «Je länger und globaler die Lieferketten sind, desto wichtiger wird es, dass die Grundprinzipien für einen funktionierenden Markt sichergestellt werden. Zentral dabei ist die Markttransparenz, die der Schlüssel für optimale Marktergebnisse und einen fairen Wettbewerb ist.»

Transparenz heisst: Preisbildung muss nachvollziehbar sein

Und weiter: «Die Schweizer Bevölkerung ist nicht mehr bereit, die Preispolitik vieler Sortimente zu akzeptieren, die nicht mehr kostenbasiert kalkuliert, sondern zur Gewinnoptimierung nach der Zahlungsbereitschaft der Kunden ausgerichtet ist. Gerade bei nachhaltigen und Label-Produkten findet dadurch eine weitere Öffnung der Preisschere zwischen Konsumenten- und Produzentenpreisen statt. Und dies zum kleinsten Teil wegen Aufschlägen bei den Produzenten. Es muss von der Annahme ausgegangen werden, dass mit überhöhten Margen die Tiefpreisstrategien in preisaggressiven Segmenten finanziert werden. Entscheidend ist, dass die Preisbildung transparent (und nachvollziehbar) erfolgt und die Produktionskosten der Produzenten angemessen berücksichtigt werden. Auch in dieser Frage ist ein parlamentarischer Vorstoss in Vorbereitung, dass künftig ersichtlich werden müsse, welcher Anteil des Endverkaufspreises an die Schweizer Landwirtinnen und Landwirte gehe.»

Der Verein Faire Märkte Schweiz, zusammengesetzt unter anderem aus Agrarökonominnen und Agrarökonomen und Fachjuristen, hält in seiner heutigen Mitteilung dazu fest: “Der Fachbereich Marktanalysen des Bundesamtes für Landwirtschaft schafft als unabhängige Marktbeobachtungsstelle im Auftrag der Öffentlichkeit Transparenz auf den Agrarmärkten”. Die Forderungen nach Offenlegung in den komplexen Lebensmittelmärkten würden sich erübrigen, wenn der Markt spielen würde. Dafür ist die Weko zuständig. Faire Märkte Schweiz hat kürzlich eine Anzeige wegen Verstössen marktbeherrschender Unternehmungen bei der Weko eingebracht. Die lancierte Marktbeobachtung zur Schaffung von Transparenz erwies sich jedoch als unergiebig.

Zum ganzen Artikel in der NZZ: https://www.nzz.ch/meinung/wie-intransparenz-verbraucher-und-produzenten-schaedigen-kann-ld.1860046

Folgen:

Weitere Beiträge

Import-Profiteure sollen sich outen müssen

Aus Gründen der Versorgungssicherheit muss in heiklen Wertschöpfungsketten bei Lebensmitteln Transparenz bestehen. Schlüsselimporteure sollen ihre Importe transparent machen müssen: Das fordert der neue Vorstoss von Nationalrat Hans Jörg Rüegsegger. Die Motion geht in die gleiche Richtung wie die Forderung des Vereins Faire Märkte Schweiz (FMS). Diese hatte vor wenigen Wochen über das Öffentlichkeitsgesetz beim BAZG Antrag auf Transparenz verlangt.

AP30+, FMS-Studie und Abstimmen für lokal+fair: FMS Monatsbericht September

Der Bundesrat hat am 2. September die Agrarpolitik AP30+ in die Vernehmlassung geschickt. Persönlich ist dies bereits das siebte Agrarpaket, mit dem ich mich intensiv beschäftige. Besonders stolz bin ich darauf, dass mit diesem Paket die Transparenz und Fairness in den Agrar- und Lebensmittelmärkten gezielt gefördert werden sollen. Seit der Gründung unseres Vereins haben wir immer wieder hartnäckig auf den grossen Handlungsbedarf hingewiesen und entsprechende Forderungen gestellt. Auch die gesamte Wertschöpfungskette rückt mit der AP30+ stärker in den Fokus – ebenfalls ein zentrales Anliegen von FMS.

AP30+: Wichtige Schritte für faire und transparente Märkte. Doch es braucht mehr.

Mit seiner Vernehmlassungsantwort zur Agrarpolitik AP30+ setzt sich Faire Märkte Schweiz für funktionsfähige und transparente Agrarmärkte, faire Wettbewerbsbedingungen entlang der Wertschöpfungskette und eine gerechte Preisbildung ein – mit konkreten Stellungnahmen zu Zielvereinbarungen im Detailhandel, Richtpreisen, Marktbeobachtung und Direktvermarktung.