Handlungsbedarf im Getreide- und Brotmarkt bestätigt

Handlungsbedarf im Getreide- und Brotmarkt bestätigt

Billiger Import-Teig verdrängt Schweizer Weizen: Das zeigt eine neue Studie der FHNW. Faire Märkte Schweiz (FMS) bestätigt diese Erkenntnisse. Neben dem ungenügendem Grenzschutz stellt der FMS aus Recherchen im Markt drei weitere Faktoren fest, die zu strukturellem Marktversagen im Brotmarkt und zum Bäckerei-Sterben in der Schweiz führen.

Grund 1, die industrielle Verarbeitung: Recherchen von FMS zeigen, dass es in der Schweiz mit industriellen Verarbeitungsstrukturen und entsprechender Fliessbandproduktion möglich ist, Brot zu Tiefstpreisen mit Schweizer Getreide zu produzieren (1). Wenn die Detailhändler auf entsprechende Margen verzichten, kann das Pfünderli zu 99 Rappen verkauft werden. Die Folge: Die kleinen Bäckereien können bei diesem Preisdruck nicht mithalten.

Grund 2, die Wettbewerbsverzerrungen: Aus Sicht von FMS bestehen erhebliche Wettbewerbsnachteile für gewerbliche Bäckereien. FMS ist derzeit gemeinsam mit einem kantonalen Bäcker-Teilverband daran, erneut die Wettbewerbskommission anzurufen. Im Zentrum steht die Frage, ob marktmächtige Akteure, insbesondere vertikal integrierte Konzerne mit eigenen Mühlen, industrieller Verarbeitung und Detailhandel, Wettbewerbsbedingungen schaffen, die für unabhängige Betriebe faktisch nicht mehr tragfähig sind.

Grund 3, die Mühlenstruktur: Zwei Grossmühlen, eine davon die Coop-Mühle Swissmill, beherrschen zwei Drittel des Marktes. FMS hat bei der Weko eine Anzeige eingereicht. Es besteht der Verdacht, dass Mehl zu Preisen in den Markt gedrückt wird, mit denen kleinere Mühlen nicht konkurrieren können. Für unabhängige Bäckereien bedeutet dies deutlich höhere Einkaufspreise und damit einen strukturellen Wettbewerbsnachteil.

FMS-Präsident Stefan Flückiger: «Das Problem liegt daher ebenso in den Marktungleichgewichten und verzerrten Marktstrukturen in der Schweiz, wo die marktbeherrschenden Unternehmungen – Grossmühlen in Verbindung mit Grossverteilern – das ‘Bäckereisterben’ und die aggressive Tiefpreispolitik mitverursachen.» 

FMS-Präsident Stefan Flückiger: «Das Problem liegt daher ebenso in den Marktungleichgewichten und verzerrten Marktstrukturen in der Schweiz, wo die marktbeherrschenden Unternehmungen – Grossmühlen in Verbindung mit Grossverteilern – das ‘Bäckereisterben’ und die aggressive Tiefpreispolitik mitverursachen.»  Sie treiben durch Kampfpreise gezielt das Mühlen- und Bäckereisterben voran. Durch Mehlpreise unter dem Grenzschutzniveau sichern sie sich Marktanteile und finanzieren diese Strategie über System-Profite in anderen Bereichen (vgl. FMS-Systemanalyse).  

Für die Transparenz- und Fairnessorganisation gibt es eine klare Lösung für diesen Missstand (2): Neben den nun geforderten Grenzschutzmassnahmen (3) mit höheren Zöllen auf verarbeitete Importprodukte sind die Wettbewerbsbehörden aufgefordert, mit einer Sektoruntersuchung den Getreide-, Mehl- und Brotmarkt zu untersuchen und Marktverzerrungen beziehungsweise unfaire Handelspraktiken zu beseitigen.


(1) https://fairemaerkteschweiz.ch/99-rappen-pfuenderli-fms-gelangt-an-die-wettbewerbsbehoerden/

(2) https://fairemaerkteschweiz.ch/kartellgesetz-geschwaecht-norm-fuer-kartelle-und-unzulaessige-verhaltensweisen-marktmaechtiger-unternehmen-aufgeweicht/ 

(3) https://www.tagesanzeiger.ch/baeckereien-und-brot-importflut-bedroht-schweizer-brotgetreide-387822920948 

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