Schweizer Ernährungssystem – Workshop zur Kostenwahrheit

Workshop zur Kostenwahrheit im Schweizer Ernährungssystem

Vernetzung und aktive Teilnahme an Veranstaltungen sind zentrale Bestandteile der Arbeit von Faire Märkte Schweiz (FMS). Durch den Austausch mit relevanten Akteuren fördert FMS Transparenz und Fairness im Schweizer Ernährungssystem. Ein Beispiel dafür ist die Teilnahme von FMS Co-Geschäftsführerin Stéphanie Lichtsteiner am jüngsten Multi-Stakeholder-Workshop des Projekts TRUE-COST-CH. Veranstaltungen und Plattformen sind Gelegenheiten für den FMS, seine Expertise einzubringen, Partnerschaften zu vertiefen und gemeinsam mit anderen Akteuren Lösungen für eine nachhaltigere Zukunft zu entwickeln. Im Folgenden berichtet Stéphanie Lichtsteiner, Co-Geschäftsführerin und Projektleiterin Faire Märkte Schweiz.

Die tatsächlichen Kosten und Nutzen unseres Ernährungssystems sind oft nicht in den Preisen der Lebensmittel abgebildet. Nicht selten sind gerade ungesunde oder umweltschädliche Produkte für Konsumierende erschwinglicher und für Produzenten rentabler. Die negativen Folgen wie gesundheitliche Probleme, soziale Ungerechtigkeiten und Umweltschäden belasten die gesamte Gesellschaft. Es ist längst klar, dass sich unser Ernährungssystem grundlegend verändern muss, wenn es weiterhin seiner Aufgabe gerecht werden soll, uns mit gesunden Lebensmitteln zu versorgen und gleichzeitig den wachsenden ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Herausforderungen zu begegnen. 

Eine vielversprechende Lösung, um diese Transformation voranzutreiben, liegt in der sogenannten Kostenwahrheit. Die Idee des Ansatzes ist es, die wahren Kosten von Lebensmitteln – einschliesslich ihrer ökologischen, gesundheitlichen und sozialen Auswirkungen – sichtbar und nachvollziehbar zu machen. Und aufgrund dessen fundierte Entscheidungen für eine nachhaltigere Zukunft zu treffen. 

‚Kostenwahrheitsrechner‘: gesamtwirtschaftlich, entlang einzelner Lieferketten und zur Identifikation von Interdependenzen und Veränderungen

Das Projekt TRUE-COST-CH, bestehend aus einem Konsortium von der Universität Lausanne (HEC/Unisanté), der EPFL (LEURE), der HEG Fribourg (CCRS), Universität Bern (CDE) und der Berner Fachhochschule (HAFL) und hat genau das Schaffen dieser Kostenwahrheit im Schweizer Ernährungssystem zum Ziel. Ein zentrales Werkzeug dabei ist der Kostenwahrheitsrechner, der nicht nur auf gesamtwirtschaftlicher Ebene, sondern auch entlang einzelner Lieferketten eingesetzt werden soll. Ausserdem identifiziert das Projekt Interdependenzen und Hebel für Veränderungen zur Umsetzung der Kostenwahrheit in der öffentlichen Politik, im Privatsektor, im Konsumverhalten und in der Gesundheitspolitik.

Die Entwicklung von Massnahmen soll durch einen Multi-Stakeholder-Ansatz vorangetrieben werden, um der Komplexität des Schweizer Ernährungssystems gerecht zu werden und alle relevanten Akteure aktiv einzubeziehen. Faire Märkte Schweiz (FMS) erkennt das Potenzial der Kostenwahrheit an und unterstützt das Konzept als wichtigen Schritt zu mehr Transparenz und letztlich auch Fairness im Schweizer Landwirtschafts- und Ernährungssystem. In diesem Zusammenhang nahm FMS Co-Geschäftsführerin und Projektleiterin Stéphanie Lichtsteiner vergangene Woche an einem Multi-Stakeholder-Workshop des Projekts teil. Ziel des Workshops war es, gemeinsam eine Vision für die Rolle der Kostenwahrheit im Schweizer Ernährungssystem zu entwickeln und gleichzeitig konkrete Massnahmen für ausgewählte Handlungsfelder zu erarbeiten und zu priorisieren, die im weiteren Projektverlauf detailliert ausgearbeitet werden.

Die grosse Chance der Kostenwahrheit liegt darin, dass sie die vielfältigen Auswirkungen des Ernährungssystems – sei es auf die Umwelt, die Gesundheit oder die Gesellschaft – in einer einzigen messbaren Grösse zusammenfasst: den Kosten. Diese wissenschaftlich fundierte Kennzahl ist frei von subjektiven Werten oder Ideologien und soll letztlich dabei helfen, Anreize und Massnahmen zu entwickeln, die unser Landwirtschafts- und Ernährungssystem in Richtung einer gesünderen, gerechteren und nachhaltigeren Zukunft lenken.

Stéphanie Lichtsteiner ist seit Mitte August Co-Geschäftsführerin und Projektleiterin von Faire Märkte Schweiz. Stéphanie führt unter anderem den Kompetenzbereich Transparenz entlang von Wertschöpfungsketten, entwickelt Projekte zur Förderung fairer Handelspraktiken in der Schweiz mit und stärkt die Schaffung von Allianzen und Netzwerken. Sie verfügt über einen Master of Science in Sustainable Development und über vertiefte Branchenkenntnisse, unter anderem durch den täglichen Austausch in Bezug auf Handelspraktiken in den Lebensmittelmärkten sowie die Preisbildung im Labelbereich als langjährig leitend Tätige beim Online-Lebensmittelhändler Farmy oder zuvor beim Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) oder beim Konsumentenschutz – und durch ihre Arbeit jetzt beim FMS.

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