«Gegenmacht aufbauen» gegen das Preisdiktat von Migros und Coop – Nun wird auch die Politik aktiv für fairere Preise an die Bauern

«Gegenmacht aufbauen» gegen das Preisdiktat von Migros und Coop – Nun wird auch die Politik aktiv für fairere Preise an die Bauern

Angebot bündeln und mehr Verhandlungsmacht aufbauen: Diesen Weg muss die Landwirtschaft gegen das Preisdiktat der Grossverteiler Migros und Coop einschlagen. Faire Märkte Schweiz begrüsst die von Nationalrat Hans Jörg Rüegsegger (SVP, Bern) eingereichte Motion, die für die Bäuerinnen und Bauern fairere Preise und eine gerechtere Wertschöpfungsverteilung bringen wird. Auch die von Nationalrätin Martina Munz (SP Schaffhausen) eingereichte Motion wird diesbezüglich bessere Rahmenbedingungen schaffen, indem die Markt- und Margentransparenz verbessert werden soll.

Der Bundesrat wird mit einer in den letzten Tagen eingereichten Motion von Nationalrat Hans Jörg Rüegsegger (SVP, Bern) beauftragt, im Landwirtschaftsgesetz eine Regelung für Kooperationsmöglichkeiten von Produzentinnen und Produzenten zu schaffen, die bisher nach Kartellrecht nicht bestehen und die es neu ermöglichen, dass die Produzentinnen und Produzenten gegenüber ihrer hochkonzentrierten Abnehmerseite eine «Gegenmacht» aufbauen können und so eine faire Chance für die Erzielung angemessener Preise erhalten.

Bauernproteste: Unmut in der Landwirtschaft – faire Preise Hauptforderung

Gemäss Faire Märkte Schweiz ist dies der richtige Weg, wie die heutigen Marktstrukturen mit den zunehmenden Ungleichgewichten entlang der Wertschöpfungskette etwas korrigiert werden können. Das Diktat der marktmächtigen Grossverteiler trägt wesentlich zum Preisdruck und den Einkommensproblemen bei den Bäuerinnen und Bauern bei. Die Bauernproteste zeigen den grossen Unmut in der Landwirtschaft. Zu den Hauptforderungen gehören faire Preise und eine gerechte Wertschöpfungsverteilung entlang der Wertschöpfungskette. 

Die Ungleichgewichte sind derart angewachsen, dass die vielen kleinstrukturierten Anbieter heute im Wesentlichen den zwei Detailhandelsunternehmungen Migros und Coop gegenüberstehen, die rund 80% Marktanteile haben. Deren Verhandlungsmacht und Wertschöpfungsanteile nehmen laufend zu. Die Anteile der Produzenten demgegenüber ab; beim Brot beispielsweise liegen sie nur noch bei 7%. 

Auftrag an Bundesrat: Aufbau einer Gegenmacht ermöglichen

Die Motion will erreichen, dass in der Schweiz den Bäuerinnen und Bauern kartellrechtlich unzulässige Kooperationsmöglichkeiten zugestanden werden, damit diese gegen die hoch konzentrierte Abnehmerseite eine «Gegenmacht» («countervailing power») aufbauen können, wie dies den Produzenten von Erzeugergemeinschaften in der EU bis zu einem bestimmten Marktvolumen schon heute erlaubt wird. Gemeinsam sollen die Anbieterinnen und Anbieter ihre Mengen und Preise koordinieren und so angemessene Abnahmepreise durchsetzen können.

Motion NR Munz: Fairer Wettbewerb und gerechte Wertschöpfungsverteilung nur mit Markt- und Margentransparenz

Nationalrätin Martina Munz (SP Schaffhausen) fordert mit ihrer Motion zusätzliche Massnahmen für mehr Markt- und Margentransparenz, damit das Funktionieren der Märkte sichergestellt werden kann. Dabei ist die Transparenz der Bruttomargen von der Produktion über Verarbeitung und Handel bis zum Konsum unerlässlich. Dies soll in der Verordnung über die Marktbeobachtung im Landwirtschaftsbereich (SR 942.31) vorgenommen werden, worin das Bundesamt für Landwirtschaft verpflichtet ist, Transparenz in der Preisbildung zu schaffen.Zudem soll von der verbesserten Transparenz auch die Nachhaltigkeit profitieren, weil die preisbestimmenden Unternehmungen mit ihrer Preispolitik die Transformation hin zu nachhaltigen Ernährungssystemen bewusst beeinträchtigen und so die vom Bundesrat in der Strategie Nachhaltige Entwicklung 2030 definierten Ziele nicht erreicht werden können.

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