Milchpreise: Migros will Bauern weniger vergüten – Ansinnen wird scharf verurteilt

Milchpreise: Migros will Bauern weniger vergüten – Ansinnen wird scharf verurteilt

Zürich / Fribourg,  18. Juli – Bei Faire Märkte Schweiz häufen sich die Meldungen, dass die nachfragemächtige Elsa Group, ein Unternehmen der Migros Industrie, die Milchpreise noch in diesem Monat um 1.5 bis 2 Rp pro kg Milch senken will. Der Verein verurteilt diese Preisdrückerei als unangemessen und droht mit Korrekturmassnahmen.

Jüngst mehren sich die Hinweise an Faire Märkte Schweiz (FMS), dass die Migros die Vergütung an Bauern und Bäuerinnen für Milch senken will. Um 1.5 bis 2 Rappen pro Kilogramm weniger will die Grosshändlerin den Betrieben bezahlen. In einem offenen Schreiben an die Elsa Group, Teil der Migros Gruppe, fordert FMS den umgehenden Stopp einer Senkung der Produzentenpreise. Andernfalls drohen rechtliche und politische Korrekturmassnahmen. 

«Eine mögliche Senkung erhöht nicht nur den wirtschaftlichen Druck auf Bäuerinnen und Bauern in unserem Land, sondern ist auch unangemessen», so FMS-Präsident und Geschäftsführer Stefan Flückiger. Der neu gegründete Verein Faire Märkte Schweiz hatte Anfang Monat der unfairen Preisgestaltung für Bäuerinnen und Bauern den Kampf angesagt, unter anderem mit einer Melde- und Beratungsstelle für Bäuerinnen und Bauern, die unter Preisdrückerei leiden.

«Die Milchlieferanten sind mangels Belieferungsalternativen in der Regel wirtschaftlich von der ELSA bzw. Migros abhängig und auf eine faire Geschäftsbeziehung angewiesen», sagt Stefan Flückiger. «Aufgrund der Produktionskostenentwicklung, etwa der Energiepreise und der Inflation, bringt eine Reduktion der Milchpreise negative wirtschaftlichen Folgen für die Milchproduzenten. Im Sinne der Fairness wäre die Milchpreissenkung vorrangig mit den Marktpartnern auszuhandeln.»

Als marktmächtige Unternehmung mit einem Marktanteil von rund 40% hat die Migros, mit ELSA als Konzernunternehmen, gemäss FMS eine besondere Verantwortung gegenüber ihren Marktpartnern. Dazu gehört auch die Pflicht, den marktschwächeren Milchproduzenten nicht einseitig Bedingungen wie etwa Preise zu diktieren. Ökonomische Anhaltspunkte für eine Milchpreissenkung gebe es keine, vielmehr ist die Milchproduktion in der Schweiz seit 2014 um 160 Mio. kg gesunken. 

Eine einseitige Senkung der Vergütungen an Bauern für ihre Milch kann im Sinne von Art. 7 KG Marktmissbrauch bedeuten. FMS fordert die Elsa Group bzw. die Migros auf, von einer angedachten Senkung der Milchpreise umgehend Abstand zu nehmen und künftige Anpassungen der Geschäftsbedingungen im fairen Dialog zu verhandeln. Der Verein kündigt an, die Entwicklung genau zu beobachten und, falls erforderlich, politische und rechtliche Korrekturmassnahmen einzuleiten.

Für weitere Informationen:

Auflistung: Beabsichtigte Milchpreissenkung ist aus den folgenden Gründen unangemessen 

  1. Marktmächtige Grossverteiler. Die beiden Grossverteiler (Migros und Coop) vereinigen zusammen rund 70 % Marktanteil des inländischen Milchmarktes. Hiervon entfallen 40 % auf ELSA bzw. Migros. Mit einem Marktanteil von rund 40% am inländischen Milchmarkt sind ELSA bzw. Migros folglich als marktmächtig einzustufen. Aufgrund der Marktmacht ist auf ein erhebliches Ungleichgewicht bei der Verhandlungsmacht zwischen ELSA und den Milchproduzenten zu schliessen. Verpönt ist insbesondere die einseitige Preissenkung durch marktmächtige Unternehmen.
  2. Wirtschaftliche Abhängigkeit. Die Milchlieferanten von Migros sind mangels Belieferungsalternativen in der Regel wirtschaftlich abhängig und auf eine faire Geschäftsbeziehung mit ELSA bzw. Migros angewiesen. Die beabsichtigte Milchpreissenkung angesichts der Produktionskostenentwicklung (Energiepreise, Inflation etc.) bringt negative wirtschaftlichen Folgen für die Milchproduzenten. Im Sinne der Fairness wäre die Milchpreissenkung vorrangig mit den Marktpartnern auszuhandeln.
  3. Verantwortung als marktmächtige Unternehmung. Die ELSA bzw. Migros ist aus der «Branchenorganisation Milch» ausgetreten. Dennoch hat ELSA als Konzernunternehmen der Migros eine besondere Verantwortung gegenüber ihren Marktpartnern. Dazu gehört auch die Pflicht, den marktschwächeren Milchproduzenten nicht einseitig Bedingungen (wie bspw. Preise) zu diktieren.
  4. Keine ökonomische Rechtfertigung für Preissenkung. Ökonomische Anhaltspunkte für die beabsichtigte Milchpreissenkung liegen nicht vor. Zumal ELSA im Vergleich zu ihren Mitkonkurrenten viel stärker im wertschöpfungsstarken Inlandmarkt tätig ist, d.h. weniger im Exportgeschäft. Gemäss den aktuellen Marktdaten besteht kein Anlass, den aktuellen Richtpreis in Höhe von 81 Rp pro kg (A-Segment) zu senken und keine Marktpreisveränderungen vorzunehmen. Gemäss dem Communiqué der Milchproduzenten vom 23. Juni 2023 ist die Milchproduktion in der Schweiz ist seit 2014 um 160 Mio. kg gesunken. Dies entspricht einem Rückgang von 5%. Zudem ist die Anzahl der Milchkühe seit Jahren dauerhaft sinkend. Auch die längerfristigen agrarpolitischen Rahmenbedingungen werden nicht zu einer Ausweitung der Milchproduktion führen.1
  5. «Einseitige» Preissenkung kann missbräuchlich sein. Marktmächtige Unternehmen verhalten sich missbräuchlich, wenn sie für sich vorteilhafte Bedingungen, Praktiken oder vertragliche Vereinbarungen einseitig durchsetzen. Die einseitige Senkung der Milchpreise ohne stichhaltige ökonomische Begründung kann daher missbräuchlich im Sinne von Art. 7 KG sein. 

Abhilfemassnahmen und weiteres Vorgehen

Vor diesem Hintergrund fordert FMS, von einer angedachten Senkung der Milchpreise Abstand zu nehmen und erwarten, dass künftige Anpassungen der Geschäftsbedingungen im fairen Dialog mit den Marktpartnern verhandelt werden. FMS wird das «Marktgeschehen» beobachten und im Namen der Mitglieder Position beziehen. Falls erforderlich, wird FMS politische und rechtliche Korrekturmassnahmen einleiten.

1 Vgl. Medienmitteilung Swissmilk: «Keine Senkung des Milchpreises!», abrufbar unter https://www.swissmilk.ch/de/produzenten/medien/smp-news/keine-senkung-des-milchpreises/ (zuletzt abgerufen am 12.7.2023).

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