Milchkrise, Handlungsbedarf und starke Netzwerke: Monatsbericht Januar 2026

Milchkrise, Handlungsbedarf und starke Netzwerke: Monatsbericht Januar 2026

Anpacken, was im Jahr 2026 ansteht, dieser Grundsatz hat bereits in den ersten Januarwochen seine Gültigkeit. Dazu komme ich als erstes auf die Jahresbewertung des Schweizer Bauers zurück, denn dieses Credo prägt unsere Arbeit 2026: “Sie fielen im Jahr 2025 auf”. Die Zugehörigkeit von Faire Märkte Schweiz zu diesem ausgewählten Kreis ist eine wertvolle Anerkennung für unsere gesamte Organisation und für alle Personen, die unser Wirken mit grossem Engagement – auch ehrenamtlich – möglich gemacht haben. Faire Märkte Schweiz schaut genau hin, wo Intransparenz herrscht und viele (kleine) unter wenigen (grossen) Akteuren zu leiden haben. Die Beispiele vom Milch- und Getreidemarkt unten zeigen, dass unsere Statements gefragt sind. Auch unser aktueller Jahresbericht zeigt die konkrete Wirkung: Mit gezielten Interventionen können Produzierende und Gewerbebetriebe finanziell spürbar entlastet werden und faire Marktbedingungen an Boden gewinnen. Besonders wichtig sind dabei unsere Netzwerke mit verschiedenen Partnern. Dazu gehört auch der Slow Food Market und die lokal+fair-Betriebe.

Im Fokus

FMS äussert sich zur derzeitigen Milchkrise

Die hohe Zahl an Meldungen von Milchbäuerinnen und Milchbauern bei der FMS-Meldestelle macht deutlich, dass der Milchmarkt derzeit weit von einer fairen und nachhaltig funktionierenden Ordnung entfernt ist. Auf Anfrage von Medien haben wir uns wie folgt geäussert (vgl. im Schweizer Bauer vom 28. Januar “Faire Märkte Schweiz schaut sehr kritisch auf den Milchmarkt hier”):

Der Milchmarkt ist von einem strukturellen Ungleichgewicht geprägt. Entlang der Wertschöpfungskette fehlt es an einer fairen Koordination und Lastenverteilung, bei der alle Akteure Verantwortung für die Gesamtsituation der Schweizer Milchwirtschaft übernehmen. Gleichzeitig mangelt es an Solidarität unter den Produzenten, da Direktlieferanten bevorzugt und unabhängige Lieferanten mit tieferen Milchpreisen benachteiligt werden. Marktrisiken werden zunehmend auf die Produzenten ausgelagert, wie dies auch in anderen Agrarmärkten immer öfter der Fall ist.

Kurzmeldungen

Handlungsbedarf im Getreide- und Brotmarkt bestätigt

Eine neue Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) unter der Leitung von Prof. Dr. Mathias Binswanger fokussiert auf den Grenzschutz von landwirtschaftlichen Produkten. Sie kommt zum Schluss, dass der Grenzschutz insbesondere bei den verarbeiteten Produkten ungenügend ist und damit die Landwirtschaft und gewerbliche Betriebe (Bäckereien) zusätzlich unter Druck kommen – lesen Sie auch den Beitrag vom ‘Schweizer Bauer’ hier und hier.

Die neue Studie bestätigt den von FMS seit Langem dokumentierten Handlungsbedarf im Getreide- und Brotmarkt, wie wir vermeldeten. Unfairer Wettbewerb ist die Folge massiver Marktungleichgewichte in der Schweiz: Marktbeherrschende Grossmühlen in Verbindung mit marktbeherrschenden Grossverteilern treiben durch Kampfpreise gezielt das Mühlen- und Bäckereisterben voran. Durch Mehlpreise unter dem Grenzschutzniveau sichern sie sich Marktanteile und finanzieren diese Strategie über System-Profite in anderen Bereichen (vgl. FMS-Systemanalyse).

International

Deutschland erlebt den stärksten Anstieg der Lebensmittelpreise in Europa – bei den Produzenten kommt davon kaum etwas an. Seit 2020 sind die Preise um rund 37 % gestiegen, einzelne Produkte sogar deutlich stärker, obwohl Importkosten wieder gesunken sind. Haupttreiber ist die extreme Marktmacht weniger Handelskonzerne (vgl. auch Bericht der deutschen Monopolkommission): Vier Supermarktketten kontrollieren bis zu 90 % des Markts und steigern ihre Margen, während Lieferanten und Landwirte unter massiven Preisdruck geraten. Der Fall zeigt exemplarisch, wie Konzentration im Detailhandel Preise treibt, ohne faire Einkommen für Produzent:innen zu sichern. Deshalb unterstützt FMS die inifair in Deutschland. Auch für die Schweiz ist das ein Warnsignal. Der Einsatz von Faire Märkte Schweiz für wirksame Regeln gegen Marktmacht und für faire Produzentenpreise gewinnt an Dringlichkeit.

Jahresbericht 2025: Gezielt eingegriffen, viel erreicht – und vieles jetzt zu tun

Unsere Auswertungen zeigen: Faire Märkte Schweiz greift dort ein, wo Marktmacht wirkt – und erzielt messbare Wirkung. So werden unfaire Konditionen wie eine geplante pauschale 3-%-Rückvergütung im Detailhandel verhindert, Produzent:innen um rund 12 Mio. Franken entlastet und verzerrte Preisrelationen bei Label- und Bioprodukten transparent gemacht. Gleichzeitig zeigen wir mit Projekten wie lokal+fair, der Kampagne Faire Milch oder der FMS-Meldestelle konkrete Alternativen im Markt. Konkrete Hilfe ist gefragt: Die Anfragen an die Notrufnummer haben stark zugenommen. Nachzulesen ist unser Reporting im Jahresbericht, den wir in diesem Monat erstellt haben

Slowfood Markt 2026: Neu als Partnerorganisation von FMS

Das Jahr 2026 beginnt bereits mit einem ersten Highlight für die lokale Produktion: Dem Slow Food Markt in Zürich! Vom 27. Feburar bis am 1. März können Sie auf dem grössten Schweizer Slow Food Markt die perfekte Kombination aus traditioneller und innovativer Kulinarik an einem Ort erleben. Über 100 regionale Produzent:innen, ihre nachhaltig hergestellten Lebensmittel und einzigartige Spezialitäten warten darauf, kennengelernt, degustiert und mit nach Hause genommen zu werden. Ausserdem bietet das spannende Rahmenprogramm «Good Food Forum» praxisorientierte Vorträge, interaktive Diskussionsrunden und faszinierende Workshops rund um das Thema besseres Essen – für den Geschmack, die Gesundheit und die Umwelt. Als Partnerorganisation des Slow Food Markts erhalten unsere Mitglieder und Sympathisierenden mit dem Code SFM26FAIR 2 Franken Rabatt auf die Tickets (klicken Sie hier) – viel Freude und spannende Begegnungen!

lokal+fair-Betrieb: Pudelwohl ist Mitglied der nationalen lokal+fair-Bewegung

Eine Gruppe von engagierten Menschen führt seit Mai 2022 im Zentrum von Beringen SH im Haus zum Pudel den Regionalen Pudelwohl. Sie wollen damit einen Beitrag zum einen für das Leben im Chlättgi (Klettgau) wie auch für eine regionale, gesunde und unabhängige Lebensmittelversorgung leisten. Die Beschaffung der Produkte ist – wenn immer möglich – bei lokalen und regionalen Bio-Produzentinnen und -Produzenten. Selbstgebackenes Brot aus regionalem Getreide ist eine besondere Spezialität. Ergänzt wird das Angebot durch ein Kafi zum gemütlichen Beisammensein sowie regelmässigen Events wie z.B. Winzer-Apéros, Degustationen und vielem mehr. Als Genossenschafter:in können auch Sie das Dorfladenprojekt unterstützen: https://natuerlich-pudelwohl.ch

Beim Produzentenanlass im Januar 2026 durfte der Präsident von Faire Märkte Schweiz das Projekt lokal+fair vorstellen

v.l. n. r. stehend: Stefan Flückiger (Präsident FMS), Andreas Neukomm, Werner Müller (Gründungsmitglied Genossenschaft), Simona Bertschinger, Anja Wirz (Vizepräsidentin Genossenschaft), Roman Hedinger, Monika Jung, Arlette Neukomm

v.l.n.r. kniend: Petra Langhart, Katja Merki (Präsidentin Genossenschaft), Nicole Gray Plieninger

Fairness für Mensch, Tier und Umwelt – jetzt braucht es Sie!

FMS ist eine gemeinnützige Organisation. Die Tätigkeiten des Vereins können nur mittels Spenden und Zuwendungen umgesetzt werden. Ohne diese kann der FMS nicht tätig sein. Und deshalb heisst es: Wir brauchen Ihre Unterstützung! Setzen Sie sich noch heute ein und unterstützen Sie den FMS und seine Tätigkeiten für Mensch, Tier und Umwelt mit Ihrem Beitrag: IBAN CH87 0070 0114 8082 9030 6 oder online auf der FMS-Webseite

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