Monatsbericht Januar / Februar

a blue button with a white envelope on it

Bereits ist der erste Monat des neuen Jahres verstrichen. Das 2024 hat ebenso fulminant begonnen, wie das 2023 aufgehört hat (wir berichteten über den politischen Erfolg von FMS und seiner Mitstreiterinnen und Mitstreiter zum Nein zur Motion Knecht und damit dem Nein zu versteckten Subventionen im Getreidemarkt im Dezember-Newsletter): FMS machte im Januar die Reduktion von Fleisch aus tierwohlfreundlicher Haltung durch die Migros publik – mit der Folge, dass sich die Öffentlichkeit stark gegen dieses Gebaren aussprach und der Druck auf die Grosshändler stieg. Lesen Sie dazu den Hauptbeitrag. 

Wir bleiben an der Thematik Brotgetreidemarkt dran. Aufgrund von Hinweisen besteht weiterer Handlungsbedarf für FMS, weil dort eventuell weitere Wettbewerbsverzerrungen zulasten von Bäuerinnen und Bauern existieren. 

Bei den Kurzmeldungen berichten wir über die bestechende Umfrage bei den Teilnehmenden am Bauerntag in Zug, den neuen FMS-Video zum Thema Marktmacht und stellen Ihnen ausserdem die drei neuen Beiratsmitglieder vor.


Im Fokus

Migros will sparen – auf Kosten von Bauern und Tierwohl

Letzte Woche bekamen die IP-SUISSE Schweineproduzenten eine Hiobsbotschaft: «Migros will die Bezugsmengen von IP-SUISSE Schweinen rund 10% abbauen». Weil in den letzten Jahren die Gesamtzahl von Schweinen aus tierfreundlicher Haltung (inkl. Bio) bei rund 850‘000 Schweinen lag und seither laufend zurückgeht, löste FMS Alarm aus. Der FMS machte publik, dass es sich bei dieser Ankündigung um eine Zahl von 40‘000 Schweine handelt, was wir aus der STS-Labelstatistik ableiten konnten. Die Verbesserung der wirtschaftlichen Situation will Migros in erster Linie mit mehr konventionellen Standardprodukten und tieferen Einkaufspreisen und somit auf dem Buckel der Produzenten erzielen. Der Druck auf die Grosshändler, solche Gebaren zu unterlassen, ist in den letzten Tagen gestiegen, siehe Berichte u.a. im Tagesanzeiger, Blick, dem Schweizer Bauer oder der Bauernzeitung.

Diese Reduktion von Labeltieren darf als eine einseitig angeordnete und somit unfaire Massnahme bezeichnet werden, die ausserdem bei den Labelproduzenten zu grossen Einkommensverlusten führen wird. Schon heute werden den IP-SUISSE Labelproduzenten nur 91% der Mehrkosten für die tierfreundliche Haltung mit Stroh und Auslauf ins Freie gedeckt, wie dies eine Agroscope Studie aufgezeigt hat (Studie Agroscope, Kostendeckung von Tierwohlleistungen, 2020). Die Massnahme der Migros ist somit doppelt schmerzhaft, weil die Produzenten bei den Ställen mit tierfreundlicher Haltung langfristige Investitionen getätigt haben und nun auf den Mehrkosten sitzen bleiben.

Dabei wären Labelprodukte Teil des nachhaltigen Konsums, die der Bund gemäss der Strategie Nachhaltige Entwicklung 2030 massiv ausbauen will. Davon ist man weit entfernt, im Gegenteil, die Entwicklung läuft in vielen Bereichen in eine andere Richtung. Deshalb fordert FMS dringlich: Grossverteiler sollen ihre Nachhaltigkeitsversprechen für Bio- und IP-SUISSE Produkte einlösen müssen. Und der Staat soll seine Rolle als Regulator aktiver wahrnehmen.

Kurzmeldungen

Zuger Bauerntag:

Ich durfte am 17. Januar 2024 am Zuger Bauerntag zur «Agrarpolitik im Wandel» referieren. Dabei war mir v.a. wichtig, wie die vielen jungen Bäuerinnen und Bauern im Saal die Situation einschätzen und dies mit einer Online-Umfrage wie folgt zum Ausdruck brachten:

  • 70% der Teilnehmenden gaben an, dass die Agrarmärkte nicht gut funktionieren und dass sie sich oft benachteiligt fühlen.
  • 92% der TN finden, dass ihre Produkte nicht fair und kostendeckend entschädigt werden (nur 26.7% können dies akzeptieren).
  • 76% wollen mehr Transparenz entlang der Wertschöpfungskette und bei den Preisen.
  • 85% unterstützen es, dass sich Faire Märkte Schweiz für fairere Marktbedingungen einsetzt und Missstände sowie Preisdrückereien aufdeckt.
  • 23% (Ja) und 56% (Vielleicht) würden sich auf der Meldestelle von FMS melden, evtl. auch anonym, falls Sie von unfairer Handelspraxis betroffen wären.

Wir nehmen diese Ergebnisse als Auftrag entgegen, uns weiterhin aktiv für Transparenz und Fairness in den Märkten einzusetzen.

Video zum Thema Marktmacht:

Mit konkreten Kampagnen legen wir den Fokus gezielt auf missbräuchliche Verhaltensweisen marktmächtiger Unternehmen. Diverse Studien bestätigen, dass diese Ungleichgewichte bei der Verhandlungsmacht zu einem Mangel an fairem Wettbewerb, Einkommensverlusten in der Landwirtschaft und überhöhten Konsumentenpreisen führen. Mit begleitenden Kommunikationsmassnahmen informieren wir vermehrt über das Thema Marktmacht, das vielfach nicht bekannt ist und unterschätzt wird.

In diesem von FMS produzierten Video wird die Problematik Marktmacht einfach erklärt, zu finden auf der Webseite und auf Youtube.

Drei neue Mitglieder im Expertenbeirat:

Der Beirat ist ein Beratungsgremium und setzt sich aus erfahrenen Expertinnen und Experten verschiedener Fachbereiche zusammen. Er weist im Sinne einer Frühwarnung den Vorstand oder die Geschäftsführung auf neue Herausforderungen und Problemfelder hin. Leiter des Beirates ist Prof. Dr. Mathias Binswanger, Professor für Volkswirtschaftslehre. Es freut uns, dass wir Ihnen drei neue Mitglieder vorstellen können und heissen diese herzlich willkommen.

  • Colette Basler: Lehrerin, Bäuerin, Grossrätin Kanton Aargau
  • Floriane Gilliand: Ing. Agronom Master HAFL, Institute Geographie und Nachhaltigkeit (IGD), Universität Lausanne
  • Patrick Honauer: Detailhandelsexperte, Bachsermärt, Foodnetworks

PS: Sind Sie schon Mitglied beim FMS? Wenn nicht, tragen Sie sich noch heute ein. Oder leiten Sie diesen Newsletter an Ihr Umfeld weiter.

Folgen:

Weitere Beiträge

a woman walking through a market filled with lots of food

Preisüberwacher bestätigt strukturelle Probleme im Lebensmittelhandel – dringender Handlungsbedarf besteht

Der Verein Faire Märkte Schweiz (FMS) ist zeigt sich erstaunt, dass der Preisüberwacher diese Woche bekannt gab, seine Marktbeobachtung zum Schweizer Lebensmitteldetailhandel abzuschliessen. Denn der Bericht bestätigt gerade jene strukturellen Probleme, vor denen FMS seit mehreren Jahren warnt: Eine hohe Marktkonzentration, die anhaltende Dominanz von Coop und Migros, sowie die Möglichkeit von missbräuchlichem Verhalten aufgrund deren marktbeherrschenden Stellung.

Goliath gegen FMS, Start lokal+fair und Fokus Romandie: FMS-Monatsbericht April

Unter dem Titel “Goliath gegen FMS” berichten wir im Fokus über den Einschüchterungsversuch des global führenden Agrarunternehmens Syngenta. Der Basler Agrochemie-Konzern, der vor zehn Jahren von der chinesische ChemChina gekauft wurde, droht FMS mit juristischen Schritten. Sachlich begründete Transparenzarbeit ist nicht erwünscht! Unter den Kurzmeldungen berichten wir über viel Erfreuliches, wie z.B. über die neue Video-Kampagne in der Westschweiz, den Kampagnenstart von lokal+fair 2026 und die Partnerschaft mit dem erfolgreichen Unternehmen La Petite Epicerie. 

Goliath gegen FMS: Syngenta droht Transparenzorganisation mit Klage – weil sie als «marktmächtig» bezeichnet wird

Der Grosskonzern Syngenta fordert von der NGO Faire Märkte Schweiz (FMS), seinen Firmennamen aus wissenschaftlich belegten Marktanalysen zu entfernen. Das Kernproblem: Syngenta will nicht als «marktmächtige Unternehmung» bezeichnet werden – obwohl das Unternehmen auf seiner eigenen Website stolz verkündet, ein «global führendes Agrarunternehmen» zu sein. FMS wertet dies als Versuch, sachlich begründete Transparenzarbeit durch juristische Drohungen zu unterbinden.

Warum kostet unser Essen, was es kostet? Neue Kampagne macht Lebensmittelpreise verständlich

Wir wollen mit unserem Kauf von Bio- und Labelprodukten Gutes tun: für unsere Gesundheit, Umwelt und Tierwohl. Dafür zahlen wir mehr, wenn wir die Finanzen dazu haben. Doch wer profitiert von unserem Geld? Das bleibt oft unklar. Genau hier setzt die neue Sensibilisierungskampagne ‚Transparenz‘ in der Romandie an. Initiiert wird sie vom Verein Faire Märkte Schweiz und der Genossenschaft Progana, mit Unterstützung der Future3 Stiftung. Ziel ist es, die Preisbildung bei Lebensmitteln verständlicher zu machen und Transparenz entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu fördern.