Aktuell eingereicht: Motion für mehr Preistransparenz bei landwirtschaftlichen Produkten

Aktuell eingereicht: Motion für mehr Preistransparenz bei landwirtschaftlichen Produkten

Das Thema Preistransparenz bei landwirtschaftlichen Produkten gewinnt mit der heute eingereichten Motion 24.3706 «Transparenz beim Produzentenanteil am Verkaufspreis von landwirtschaftlichen Produkten fördern» weiter an Schwung und Relevanz. Faire Märkte Schweiz unterstützt die Motion des Berner Nationalrats Hans Jörg Rüegsegger, die Endverkäufer zu verpflichten, bei landwirtschaftlichen Produkten den Produzentenanteil am Verkaufspreis aufzuzeigen – ein Meilenstein für eine faire Preisbildung und gerechte Abgeltung für die Bäuerinnen und Bauern.

Die Preisgestaltung im Detailhandel ist sehr undurchsichtig, für Konsumierende, aber auch für Fachpersonen, wie der Verein Faire Märkte Schweiz seit bereits längerem beanstandet und mit wissenschaftlichen Untersuchungen unterfüttert1. Bei den Konsumentenpreisen besteht ein Druck nach oben, während die Preise an die produzierende Landwirtschaft in der Tendenz gedrückt werden. Dies bestätigen auch die Berechnungen des Preismonitors von Mathias Binswanger, Ökonom und Vizepräsident von Faire Märkte Schweiz. Binswanger leitet daraus ab: Die beiden Grossverteiler Migros und Coop dominieren den Schweizer Lebensmittelmarkt und besitzen erhebliche Marktmacht. Diese hat zur Folge, dass die Abnehmer sowohl bei konventionellen als auch bei Bioprodukten gegenüber den Bauern tiefe Preise durchdrücken können. Umgekehrt können die Grossverteiler bei einem Segment von zahlungskräftigen Kunden hohe Preise im Supermarkt verlangen.

Nationalrat muss sich nun dem Thema annehmen

Nationalrat Rüegsegger (SVP, Bern) nimmt nun mit seiner Motion dieses Thema auf: Bei den heute praktizierten Preisfestsetzungsmethoden spiegelt der Preis immer weniger die tatsächlichen Produktionskosten wider. Generell ist der Anteil der Landwirtschaft in den letzten dreissig Jahren von durchschnittlich fast der Hälfte des Produktpreises auf rund 30% gesunken; bei einzelnen Produkten wie z.B. bei Brot beträgt er nur noch 7%. Entsprechend haben während dieser Zeit die Handels- und Verarbeitungsmargen zugenommen.

Ziel: Konsumenten können bewusster einkaufen, für Bauern wird die Verhandlungsposition gestärkt

Hier fordert die Motion von Nationalrat Rüegsegger nun Klarheit: Das Aufzeigen der landwirtschaftlichen Produzentenanteile am Verkaufspreis soll die Transparenz bezüglich Preisbildung verbessern, damit Konsumentinnen und Konsumenten sich ein Bild machen können, wie viel vom Endverkaufspreis letztlich bei den Bäuerinnen und Bauern ankommt. Auch Landwirtinnen und Landwirten hilft die verbesserte Transparenz für ihre Preisverhandlungen, weil sie bei der heutigen Intransparenz in ihrer Verhandlungsposition gegenüber ihren Abnehmern benachteiligt sind.

Gestützt auf das Landwirtschaftsgesetz sowie die Verordnung über die Marktbeobachtung im Landwirtschaftsbereich ist das Bundesamt für Landwirtschaft verpflichtet, Transparenz in der Preisbildung mittels Information an die Öffentlichkeit zu schaffen. Das BLW schafft somit die Voraussetzung, dass von Produzentenseite her zuverlässige Preisstatistiken vorhanden sind. Stefan Flückiger, Präsident von Faire Märkte Schweiz, sieht in dieser Motion einen Meilenstein: «Wenn das Parlament dieser Motion zustimmt, schaffen wir die notwendige Transparenz für faires Wirtschaften. Konsumierende sollen wissen, wie viel von ihrem Franken tatsächlich den Bauern zukommt und die Bauern sollen in Ihrer Verhandlungsposition gestärkt und fair entschädigt werden. Nur so kann dem Ungleichgewicht in den Agar- und Foodmärkten, in dem der Detailhandel immer häufiger seine Muskeln ausspielt, entgegengewirkt werden.»

Faire Märkte Schweiz unterstützt auch das Postul 24.3673 von Nationalrat Martin Haab (SVP Zürich) mit dem Titel «Richtpreise repräsentieren nicht die effektiv bezahlten Preise ab Hof»

Mit dem Postulat wird der Bundesrat beauftragt, in einem Bericht transparent aufzuzeigen, wie die landwirtschaftlichen Richtpreise die effektiv bezahlten Preise ab Hof repräsentieren. Auswertungen von Faire Märkte Schweiz haben nämlich gezeigt, dass zum Beispiel bei der Milch Differenzen zwischen den ausgehandelten Richtpreisen und den effektiv ausbezahlten Milchpreise bis zu 21.8 Rp pro kg bestehen. Die grossen Differenzen lassen darauf schliessen, dass die Produzentenvertreter bei den heute einseitigen Marktstrukturen ihre Preisforderungen nicht durchsetzen und bei der Preisbildung benachteiligt sind.

  1.  https://fairemaerkteschweiz.ch/forschung/#marktmacht
    ↩︎

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